Der unter der Regie des Raumfahrtkonzerns Astrium gebaute Satellit "Giove B" habe sich nach extrem hohen Weltraumstrahlungen am 9. September automatisch in einen Sicherheitsmodus abgeschaltet. Nach umfangreichen Prüfungen nahm der Satellit dann am 24. September seine Tätigkeit wieder auf. Inzwischen arbeite der Satellit wieder normal, sagte der ESA-Sprecher. "Das ist nichts, was uns beunruhigt." Nach Angaben des ESA-Sprechers "kommt es häufiger vor, dass sich Satelliten zeitweise abschalten". Möglicherweise sei die Sensorik für die Abschaltung zu empfindlich eingestellt gewesen. In Branchenkreisen hieß es allerdings, dass ein zweiwöchiger Ausfall eines Satelliten eine Ausnahme darstelle. Ein Astrium-Sprecher betonte, dass der Satellit Giove B ein Testsatellit sei und daher noch nicht die endgültige Technik und Auslegung für die Serienproduktion habe.
Für das Galileo-Netz fliegen erst zwei Testsatelliten: Ende Dezember 2005 wurde Giove A gestartet, der von der kleinen britischen Firma SSTL (Surrey Satellite Technology) gebaut wurde. Giove A sollte vor allem die Frequenzen im All zur Ausstrahlung im rechtlichen Sinn absichern. Technische Ausfälle des Satelliten wurden bisher nicht bekannt. Ende April 2008 folgte dann der von Astrium gebaute Giove B, der technisch aufwendiger konstruiert ist.
Die Nachricht über den zeitweiligen Ausfall des Giove B trifft Astrium zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Derzeit läuft die Ausschreibung der ESA für 28 Galileo-Satelliten im Gesamtwert von schätzungsweise 800 Mio. Euro. Um den Auftrag kämpfen Astrium sowie der Bremer Konzern OHB, der sich für dieses Projekt mit der britischen Firma SSTL verbündete. Pikanterweise gehört SSTL seit dem Frühjahr zu Astrium. Nach mehrjährigen Verzögerungen soll das Galileo-Netz jetzt Ende 2013 den Betrieb aufnehmen. Die Europäer werben dabei mit einer hohen Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit des Galileo-Signals. Das Navigationsnetz der Europäer soll als Ergänzung und auch als Konkurrenz zum GPS-Netz der USA aufgebaut werden, das unter der Kontrolle der US-Militärs steht.