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Merken   Drucken   30.07.2005, 15:47 Schriftgröße: AAA

Schrempp: Rückzug war von langer Hand vorbereitet  

Der scheidende DaimlerChrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp hat nach eigener Darstellung seinen Rücktritt lange vorbereitet. Sein Nachfolger Dieter Zetsche könnte unterdessen in Personalunion auch den Chefsessel der Konzernmarke Mercedes-Benz übernehmen.
Jürgen Schrempp während der Hauptversammlung in Berlin im April 2005   Jürgen Schrempp während der Hauptversammlung in Berlin im April 2005
"Zetsche wird voraussichtlich in Personalunion den Konzern und die Mercedes Car Group führen müssen, bis ein passender Cordes-Nachfolger gefunden wird", berichtet das Branchenblatt "Automobilwoche" unter Berufung auf Führungskreise des Konzerns. Der Posten ist nach dem Rücktrittsgesuch von Mercedes-Chef Eckhard Cordes ebenfalls vakant.
Dass Cordes von seiner Rücktrittsankündigung Abstand nimmt, gelte intern als ausgeschlossen. „Es war von Anfang an klar, dass die Daimler-Welt für Cordes und Zetsche zu klein ist, sobald einer von beiden Schrempps Nachfolger wird“, zitiert die Zeitung einen Insider.
Schrempp verteidigt sich
Der scheidende Konzernchef Jürgen Schrempp trat unterdessen Gerüchten über heftige Querelen hinter den Kulissen entgegen. "Ich habe darüber schon seit einiger Zeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper gesprochen", sagte Schrempp dem Nachrichtenmagazin "Focus". Dabei sei man sich einig gewesen, "dass Ende des Jahres der günstigste Zeitpunkt für einen Führungswechsel ist".
Der Chef des größten deutschen Unternehmens hatte am Donnerstag völlig überraschend seinen Rücktritt zum Ende des Jahres angekündigt. Sein Nachfolger wird Chrysler-Chef Dieter Zetsche, den Schrempp nach eigenen Worten trotz einiger Meinungsverschiedenheiten dem Aufsichtsrat als Nachfolger empfohlen hat. Der Führungswechsel hatte zu zahlreichen Spekulationen über die Motive von Schrempp geführt.
Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, dass Kopper und Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm schon bei der Vertragsverlängerung im April vergangenen Jahres der Meinung gewesen seien, dass Schrempp nur noch zwei oder drei Jahre den Konzern führen sollte. Dies habe auch Schrempps Vorstellungen entsprochen. Dennoch sei der Vertrag bis 2008 verlängert worden, um eine Nachfolgedebatte zu verhindern. Schrempp habe damals zugesagt, beim vorzeitigen Ausscheiden nicht auf Auszahlung der restlichen Bezüge zu bestehen. Erneute Gespräche zwischen Schrempp, Kopper und Klemm habe es dann im Mai dieses Jahres gegeben; diese seien aber nicht auf Drängen der Deutschen Bank, die nach den jüngsten Anteilsverkäufen noch 6,9 Prozent der DaimlerChrysler -Aktien hält, zu Stande gekommen.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am Samstag, als Erklärung für Schrempps Abgang werde vor allem der Druck institutioneller Investoren herangezogen. Seit der Hauptversammlung im April hätten Hedge-Fonds verstärkt DaimlerChrysler-Aktien gekauft, um Druck auszuüben.

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  • dpa, 30.07.2005
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