Erst am vergangenen Freitag hatten die Euro-Länder einen weiteren Rückschlag im Kampf gegen die Schuldenkrise hinnehmen müssen, als die Ratingagentur Standard & Poor's neun Staaten der Währungsunion herabstufte - darunter auch Frankreich. Aus Griechenland gibt es zudem Signale, dass zusätzliche Milliardenhilfen nötig sind, um den Staatsbankrott zu verhindern. Zahlreiche Ökonomen aber warnen, dass Deutschlands Wirtschaft im Falle eines Ende des Euros massiv an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen würde.
Diesen Effekt sieht zwar auch Linde-Chef Reitzle bei einem Austritt. Dieser würde zu einer Aufwertung "der D-Mark, des Euro-Nord, oder welche Währung wir dann auch hätten, führen". Zwar würde in den ersten Jahren durch einen einbrechenden Export die Arbeitslosigkeit steigen, aber dann würde der Druck zunehmen, noch wettbewerbsfähiger zu werden. "Schon fünf Jahre später könnte Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Wettbewerbern noch stärker dastehen", meinte der Chef des Anlagenbauers. Dieses Szenario sei für ihn nicht wünschenswert, "aber es darf auch nicht zum Tabu erklärt werden".
Für Griechenland sieht er keine Chancen mehr, in der Währungsunion zu bleiben. Die Märkte hätten das Thema "längst abgehakt". Die Schulden Athens werden nach Überzeugung Reitzles zu 100 Prozent abgeschrieben werden müssen.