Die Lautsprecher dröhnen, als die Hostessen unter Blitzlichtgewitter das weiße Tuch von dem knallroten Auto ziehen. Und auch Bernhard Maiers Stimme brummt und klingt, als wolle der Vertriebsvorstand von Porsche einen Sportwagenmotor imitieren, als er am Montag den neuen Cayenne GTS präsentiert. "Warum stellen wir ihn hier in Peking vor?", flirtet er von der Bühne: "Ganz einfach: Dieses faszinierende Offroad-Sportauto hätte ebenso gut für China gebaut worden sein können."
Porsche hat reichlich Grund, die Gäste der China Autoshow zu hofieren. Der Absatz scheint in dem Land ähnlich schnell zu steigen, wie die Autos der Stuttgarter fahren: Um 65 Prozent ist Porsche hier 2011 gewachsen, schon ist China der zweitgrößte Markt nach den USA - und vor Deutschland. "Wir erwarten in den nächsten zwei bis drei Jahren ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amerika und China", sagt Maier.
So schnell steigt die Nachfrage, dass Porsche mit der Lieferung kaum hinterher kommt. Wartezeiten von neun bis zehn Monaten sind keine Seltenheit beim chinesischen Lieblingsmodell Cayenne, der Schnitt liegt bei sechs Monaten. "Das ist ein bisschen zu lang für den durchschnittlichen chinesischen Kunden", sagt Porsches China-Chef Helmut Broeker: Chinesen sind es gewohnt, ihre gekauften Waren sofort mitnehmen zu können. Im Leipziger Werk fährt man deshalb jetzt eine dritte Schicht.
China ist wichtig - und deswegen haben die Stuttgarter den Markt und ihre Kunden genau analysieren lassen. Alle Merkmale kreisen dabei um die Zahl "vier": Wenn der chinesische Kunde seinen Cayenne oder Boxster endlich ergattert hat, stehen im Schnitt vier Karossen in seiner Garage, zum Porsche gesellt sich gern noch ein Lamborghini und ein Ferrari. Er verfügt über ein Jahreseinkommen von 400.000 Euro, hat vier Immobilien, ist vierzig Jahre alt - und damit zehn Jahre jünger als ein Porsche-Käufer in den reifen Märkten.
Und: Es ist gut möglich, dass es sich um eine Frau handelt. "Der Anteil an Frauen, die Porsche fahren, ist in China viel höher als anderswo", sagt Maier. Gerade einmal 13 Prozent der Kunden weltweit sind weiblich, in China fast ein Drittel. "Das sind sehr junge, erfolgreiche Businessladies, die sich mit dem Kauf eines Porsches belohnen", so Maier.
Die Damen haben ihm zufolge mitunter auch besondere Wünsche: nach "women-only-events" etwa. Porsche kommt ihnen entgegen: mit Pannenprogrammen. Da dürfen sie etwa - unter Ausschluss der Männer - lernen, wie man einen Reifen wechselt. Diejenigen, die es vor allem schnell mögen, dürften sich eher mit Rose Tan identifizieren. Die einzige chinesische Profi-Rennfahrerin fährt beim Carrera Cup Asia Porsche.
Die Kundenanalyse endet für Porsche jedoch nicht beim Geschlecht. In der Typologie gibt es - wie könnte es anders sein - vier Spezies: gut und oft im Ausland ausgebildete Eliten, die "High-Performer", Neureiche, die es schnell zu viel Geld gebracht haben - und schließlich die Vertreter der "zweiten Generation": die Söhne und Töchter der Reichen. Eine "schwierige Zielgruppe", heißt es selbst bei Porsche: Ihr Verhalten sorgt in China regelmäßig für Empörung. Sie fahren oft betrunken und liefern sich nächtliche Verfolgungsjagden durch die Städte.
Pikanterweise dürften sich jedoch nach dieser Marktananlyse auch die übrigen Porsche-Kunde nicht so richtig sicher fühlen - jedenfalls nicht, wenn sie ähnlich abergläubisch sind wie Durchschnittschinesen. Denn das Schriftzeichen für "vier" spricht sich ähnlich aus wie das für "tot." Entsprechend wird die Unglückszahl bei Hotelzimmern, Stockwerken oder Telefonnummern tunlichst vermieden.