"Zukunft serienmäßig" lautet das Motto der 64. Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt. Eines der wichtigsten Themen: Mobilitätskonzepte der Zukunft.
Exklusiv
Der Schritt soll Vorsorge für den Fall sein, dass seltene Erden noch seltener werden - und nicht dem Kartellrecht widersprechen: Um sich den Zugriff auf strategisch wichtige Rohstoffe zu sichern, tun sich Deutschlands Autohersteller und ihre Zulieferer zusammen.
von Heimo Fischer
und Margret HuckoFrankfurt
Autohersteller und Zulieferer wollen ihre Einkaufsmacht bündeln, um sich gegen die Knappheit wichtiger Rohstoffe zu wappnen.
"Wir sprechen darüber im Rahmen der Regeln, die das Kartellrecht vorgibt", sagte Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber am Rande der Automesse IAA. Noch gibt es weder einen Zeitplan noch Details über die Ausgestaltung einer solchen Einkaufsgemeinschaft. Die Gespräche stünden laut Weber noch am Anfang. Nicht nur die Autoindustrie, auch der Maschinenbau habe Interesse an einer entsprechenden Initiative.
China dominiert den Markt
Der Schritt wäre die Reaktion eines wichtigen deutschen Industriezweigs auf die Verknappung von Rohstoffen wie seltenen Erden - Substanzen, die zum Bau von Hybrid- und Elektrofahrzeugen notwendig sind. Konzerne könnten gemeinsam ihre Auftragsmenge vervielfachen und die Chance auf einen Zuschlag erhöhen.
Infografik: Seltene Erden
Die auf dem Markt verfügbare Menge an seltenen Erden hat sich verknappt, nachdem China die Ausfuhr beschränkt hat. Die Volksrepublik fördert 97 Prozent der Metalle, von denen es 17 verschiedene gibt. Weltweit existieren große Vorkommen. Nun sollen alte Minen in anderen Ländern wieder in Betrieb genommen werden. Doch auch bis dahin müssen Hersteller ihren Bedarf an den begehrten Rohstoffen decken oder Ersatzmaterialien finden.
Das Problem stellt sich nicht nur für Autobauer, sondern auch für Zulieferer wie etwa Bosch und Continental. Besonders betroffen sind Industriekonzerne wie Siemens, die für den Bau von Generatoren Hochleistungsmagneten brauchen, für die große Mengen an seltenen Erden notwendig sind. Für diese Unternehmen wäre eine Einkaufsgemeinschaft potenziell interessant.
Auch in anderen Erdteilen versuchen Autobauer, sich den Zugriff zu sichern. So hat eine Tochter von Toyota den Bau einer Aufbereitungsanlage für seltene Erden in Indien angekündigt. Der Export soll 2012 starten.
Die Initiative der deutschen Autobauer sei ein wichtiges Thema in den Führungsetagen, heißt es bei einem großen deutschen Zulieferer. Bislang sind vor allem Industrieverbände bemüht, gemeinsam mit der Bundesregierung den Zugang zu wichtigen Rohstoffen zu sichern. Zudem gibt es Initiativen von Stahlkonzernen wie Thyssen und Arcelor. Die Branche leidet unter den gestiegenen Preisen für Eisenerz, Kokskohle und Schrott. Geplant ist, dass sich die Gesellschaft an Minen beteiligt oder Schürfrechte ersteigert.
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