EADS steuert unter dem neuen Konzernchef Thomas Enders auf einen Großzukauf in der Rüstungssparte zu. Zwar nannte Enders bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Freitag keine konkreten Übernahmekandidaten. Er sagte aber: "Wir schauen uns Übernahmeziele an. Da ist einiges in der Planung."
Der Ende Juni abgetretene EADS-Chef Louis Gallois hatte mehrmals Übernahmen in Aussicht gestellt - es blieb aber bei kleinen und mittelgroßen Zukäufen. Angesichts deutlicher Ertragsverbesserungen bei Airbus und 10 Mrd. Euro Barreserven scheint Enders jetzt die Zurückhaltung aufzugeben.
Der EADS-Chef will den Service- und Rüstungsbereich stärken. Es sei jedoch zu früh, um zu sagen, ob es noch 2012 zu einer Übernahme komme. Enders zufolge sind bei EADS strukturelle Änderungen in der Rüstung und weiteren Konzernbereichen geplant. Jüngst wurde publik, dass es ab Herbst ein neues fünfköpfiges Vorstandsteam unterhalb des zwölfköpfigen Gesamtvorstands geben soll.
EADS erzielt bei schätzungsweise 54 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2012 rund 12 Mrd. Euro davon im Rüstungs- und Sicherheitssektor. "Wir denken darüber nach, wie wir diesen Sektor ausbauen können", sagte Enders. Trotz drohender Einschnitte im Rüstungshaushalt seien die USA weiterhin der wichtigste Markt. In Europa stagniere das Geschäft bestenfalls. "Das ist eine der größten strategischen Herausforderungen für unser Topmanagement", so Enders. Für einen Zukauf in Europa scheint ihm die Situation jedoch günstig: "Wenn die Budgets sinken, die Bewertungen sinken, ist es manchmal die beste Zeit für Übernahmen."
Nach FTD-Informationen gehört der größte europäische Rüstungskonzern BAE Systems zu den möglichen Übernahmezielen von EADS. Der britische Konzern erzielte 2011 umgerechnet 24,5 Mrd. Euro Umsatz und hat einen Schwerpunkt im US-Rüstungsgeschäft. EADS könnte somit via BAE Systems das dortige Geschäft ausbauen. Ein Einstieg wäre ohne politische Zustimmung nicht möglich, ausgeschlossen ist er jedoch nicht. So stand die deutsche EADS-Vorgängergesellschaft Dasa im Jahr 2000 bereits vor einem unterschriftsreifen Einstieg bei den Briten. Einer der Planer war damals Enders.
Zudem gibt es bei Militärprojekten aktuell eine starke Annäherung zwischen Großbritannien und Frankreich, einem der größten EADS-Aktionäre. So steigen die Chancen für eine Euro-Aufklärungsdrohne, die von Deutschland, Großbritannien und Frankreich finanziert wird. Die Drohneneigenentwicklung Talarion hat EADS eingestellt; der Konzern wartet auf eine europäische Lösung. Enders sieht außerdem die Notwendigkeit effizienterer Strukturen beim Kampfflugzeug Eurofighter. Die Briten sind über BAE Systems wie Deutschland zu einem Drittel am Eurofighter beteiligt.
Der neue EADS-Chef hob die Jahresprognosen für Umsatz und Gewinn an. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 14 Prozent auf 24,9 Mrd. Euro, der operative Gewinn verdoppelte sich auf 1,4 Mrd. Euro. Die Markteinführung des neuen Modells A350 aus Karbonfaser wird jedoch auf das zweite Halbjahr 2014 verschoben. Zudem werden 2013 weniger A380 ausgeliefert. Die Flügelproduktion wird nach der Entdeckung von Rissen umgestellt.