FTD.de » Unternehmen » Industrie » Sichere Autos: Airbags und Knautschzonen für Fußgänger

Merken   Drucken   30.08.2001, 12:07 Schriftgröße: AAA

Sichere Autos: Airbags und Knautschzonen für Fußgänger

Autos werden immer sicherer - zumindest für die Fahrer. Für Fußgänger geht ein Crash oft tödlich aus - viel zu oft, meinen Kritiker. Die meisten Konzerne haben den Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer verschlafen, lautet ihr harsches Urteil. von Annette Entreß, Hamburg
"Die Autohersteller haben sich in dieser Frage bisher kaum bewegt", sagte Keith Rodgers, Geschäftsführer von Euro NCAP. Das "European New Car Assessment Programme" ist ein europäisches Bewertungsprogramm für Neuwagen und wird von Autofahrerclubs, Verbraucherschützern, der EU-Kommission und fünf europäischen Regierungen getragen. Beim Crashtest, den die Organisation auch im Internet veröffentlicht, wird unter anderem geprüft, wie schwer sich ein Fußgänger beim Aufprall verletzen würde. "In den vergangenen 14 bis 15 Jahren hat sich beim Fußgängerschutz kaum etwas getan", beklagt Rodgers. "Vom Gesetz her sind die Hersteller ja auch nicht verpflichtet."
Schlechte Noten für Audi A4
Lob gab es bei den jüngsten Testrunden nur für drei Modelle: Den neuen Honda Civic, den Daihatsu Sirion und den Mazda Premacy. Sie bekamen drei von vier möglichen Sternen. Die meisten anderen Autos waren Mittelmaß und mussten sich mit zwei Sternen begnügen.
Nur einen Stern und damit eine besonders schlechte Note bekam der neue Audi A4. Hier schrieben die Tester: "Dieses Auto wird jemandem bei einem Aufprall unnötigen Schaden zufügen." Ein Schutz für Fußgänger sei kaum gegeben. Die Insassen des A4 sind dagegen bei einem Crash gut behütet, ergaben die Tests. Diese Diskrepanz zwischen Passanten- und Insassenschutz muss nicht sein, meint Euro NCAP. Es gebe viele Möglichkeiten, um die Verletzungen von Fußgängern zu mindern. Wichtig vor allem: Knautschzonen und Sollbruchstellen.
Honda Civic vorn
Ein gutes Beispiel sei der neue Honda Civic, so Rodgers. Der Wagen setzt nach den Euro-NCAP-Tests Maßstäbe in Sachen Fußgängerschutz, erreichte mit drei von vier möglichen Sternen aber noch immer nicht die volle Punktzahl. Die Honda-Ingenieure haben sich einiges einfallen lassen. Ihre Stategie: Die Karosserie soll möglichst viel Energie absorbieren.
So gibt es eine Pufferzone unter der Motorhaube. Hierdurch wird das Unfallopfer etwas abgefedert und prallt nicht direkt auf den harten Motor. Die Motorhaubenscharniere, die Halterung der Stoßfänger und die Aufhängung der Kotflügel geben unter Druck nach, und die Scheibenwischerarme brechen unter hoher Belastung planmäßig an bestimmten Stellen
Selbstverpflichtung oder Gesetz?
Derzeit wird viel geforscht in Sachen Fußgängerschutz, denn auch die EU-Kommission hat laut nachgedacht, ob sie nicht eine verbindliche Richtlinie einführen sollte. Eine wichtige Forderung: Künftig sollen die Karosserien neu entwickelter Fahrzeuge so gestaltet werden, dass sich Fußgänger bei einem Unfall nicht mehr so stark verletzen. Wahrscheinlich wird sich die Autoindustrie in einer freiwilligen Selbstverpflichtung auf bestimmte Maßnahmen festlegen. Bei Honda sorgt die politische Diskussion für Kopfschütteln. Das Unternehmen plädiert für ein Gesetz. "Wir sind gegen die Selbstverpflichtung", sagt Pressesprecher Jan Erren. Mit einer Selbstverpflichtung werde meist weniger erreicht als technisch machbar sei.
Airbag für Fußgänger
Möglichkeiten gibt es viele. Die spektakulärste Entwicklung ist wohl der Airbag für außen. Der US-Hersteller Ford etwa will dafür sorgen, dass die Unfälle mit Pickups und Geländewagen künftig glimpflicher ausgehen. Jüngst stellte das Unternehmen einen Ford Explorer vor, bei dem sich drei Luftsäcke so aufblasen, dass sie einen Großteil der Fahrzeugfront abdecken. Dieses System ist aber noch lange nicht serienreif, so Ford. Auch Volvo und Toyota experimentieren mit Prototypen.
Motorhauben heben sich
Andere Unternehmen - wie etwa der deutsche System-Entwickler Edag oder das schwedische Unternehmen Autoliv - wollen den Luftsack unter der Motorhaube platzieren. Bei einem Unfall bläst sich dann der Airbag in Sekundenbruchteilen auf und hebt die Motorhaube leicht an, so dass eine Pufferzone über dem Motor entsteht. Schwere Kopfverletzungen sollen dadurch gemildert werden. Edag geht davon aus, dass die Entwicklung 2004 serienreif ist.
Kinder und Erwachsene
Ingenieure forschen außerdem, inwieweit künftig weichere Materialien wie Kunststoffe am Auto eingesetzt werden können. Dies sei aber ein schwieriges Thema. Denn schließlich solle der Insassenschutz nicht leiden, sagte BMW-Sprecher Friedbert Holz.
Ferner sei es ein Unterschied, ob der Schutz auf Kinder oder Erwachsene zugeschnitten sei, heißt es bei Volkswagen und bei Audi. Dies liege an den unterschiedlichen Körpergrößen. "Alles, was für Kinder gut ist, kann schlecht für Erwachsene sein", sagte ein VW-Sprecher. Volkswagen wolle sich stärker auf den Schutz von Kindern konzentrieren, da diese im Straßenverkehr am stärksten gefährdet seien.
Mehr als 1000 tödliche Unfälle
In Deutschland werden jährlich mehr als 1000 Passanten bei Unfällen getötet, schreibt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. In Europa sind es nach jüngsten Presseberichten rund 7000. Mit den neuen Systemen könnte diese Zahl verringert werden.
  • FTD.de, 30.08.2001
    © 2001 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Verkauf von Makro: Neuanfang für Metro

    "Zum Handeln geschaffen" lautet Metros Motto. Der neue Konzernchef Olaf Koch scheint den Slogan wörtlich zu nehmen. Mit dem ersten großen Verkauf einer Tochter bricht er den Stillstand bei Metro auf. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  30.05. Wirtschaft Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus
Wirtschaft: Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus (00:00:35)

Damit lag die Aktie deutlich unter dem Ausgangskurs von 38 Dollar am 18. Mai. mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6280,8  [-116.04 -1,81%
  Dow Jones 12419,86  [-160.83 -1,28%
  Nasdaq Composite 2837,36  [-33.63 -1,17%
  Euro Stoxx 50 2116,18  [-44.13 -2,04%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote