Alle Jahre wieder das gleiche Schild: Siemens-Mitarbeiter protestieren vor der gestrigen Hauptversammlung in München gegen Stellenabbau
Nicht alle Forderungen der Aktionäre sind so leicht zu erfüllen. Trotz Rekorddividende hält sich ihre Begeisterung in Grenzen angesichts der schier endlosen Sonderlasten, die der Konzern Quartal für Quartal berichtet. Immer wieder fragen Anleger danach, wie Siemens das von Vorstandschef Peter Löscher ausgegebene mittelfristige Umsatzziel von 100 Mrd. Euro erreichen will - ohne dass der bei der Antwort konkreter wird. Pascal Göttmann, Aktienanalyst von Merck Finck, bemängelt, das aktuelle Gewinnziel von 6 Mrd. Euro sei "zu optimistisch". Siemens solle doch zu der bisherigen konservativen Prognosepolitik zurückkehren.
Der Verein der Belegschaftsaktionäre kritisierte, dass Aufsichtsratschef Cromme die bislang fixe Altersgrenze von 70 für Aufsichtsräte kippen ließ. Davon profitiert vor allem Cromme selbst: Damit kann er sich im Januar 2013 nochmals zur Wahl stellen. "Alte Männer sind gefährlich. Ihnen ist die Zukunft egal", zitierte der Vorsitzende Ernst Koether den Schriftsteller George Bernard Shaw.
Cromme gibt sich ungerührt, ist dies doch eine der ganz wenigen kritischen Wortmeldungen zu seiner Person. Erst vergangenen Freitag hatte er sich als Chefaufseher von ThyssenKrupp auf der Hauptversammlung des Stahlkonzerns viele Vorwürfe wegen des aus dem Ruder gelaufenen Stahlwerks in Brasilien anhören müssen. Die einzige Frage zu Crommes Doppelrolle und zu in Essen kursierenden Gerüchten, ThyssenKrupp würde sich gern mit Siemens-Teilen verstärken, pariert in der Olympiahalle Vorstandschef Löscher: "Das sind reine Spekulationen. Das entbehrt jeder konkreten Grundlage, es gibt keine Gespräche. Das kann ich auch für Herrn Dr. Cromme, unseren Aufsichtsratsvorsitzenden, sagen."