Aktionärsstruktur von EnBW
Sechs Wochen vor der Landtagswahl ist das eine heikle Ankündigung. Der Deal ist ohnehin eines der brisantesten Wahlkampfthemen. Ministerpräsident Stefan Mappus hatte der französischen EDF 45 Prozent der EnBW-Anteile abgekauft und den Kaufpreis von 4,7 Mrd. Euro über Schulden finanziert. Die EnBW-Dividende muss reichen, um Zins und Tilgung zu decken - andernfalls würden die Steuerzahler belastet.
Für 2010 bleibt die Dividende unverändert bei 1,53 Euro je Aktie, kündigte Villis am Dienstag an. Das Land kann damit rund 168 Mio. Euro einplanen. Schon für 2011 gibt es aber Unsicherheiten. Über alle Sparten hinweg rechnet EnBW mit sinkenden Gewinnen aus dem laufenden Geschäft. Das operative Ergebnis falle voraussichtlich um 10 bis 15 Prozent niedriger aus, sagte Villis. "Es gibt keine Garantiedividende, es gibt nur eine Dividendenrichtlinie", stellte er klar. Danach sollen die Aktionäre zwischen 40 und 60 Prozent des bereinigten Nettogewinns erhalten - momentan liegt die Ausschüttung an der Untergrenze dieser Spanne.
Villis machte vor allem die Brennelementesteuer für die Einbrüche verantwortlich: Sie koste den Konzern jährlich 440 Mio. Euro. Allerdings offenbaren die Zahlen auch strategische und operative Schwächen. "Im Vertrieb sind wir nicht ganz so erfolgreich", gestand der Vorstandschef zu. Kürzlich verlor EnBW sogar den Prestigekunden Daimler. Kein Einzelfall: Insgesamt kauften Industriekunden im Jahr des Aufschwungs 4,2 Prozent weniger Strom bei EnBW ein. Noch drastischer war das Minus mit knapp 22 Prozent bei Gas. Auch unter den rund sechs Millionen Haushaltskunden büßte EnBW Marktanteile ein.
Gute Ergebnisse im Stromhandel und ein dreistelliger Millionenerlös aus dem Verkauf der Tochter Geso retteten dem Energiekonzern den Gewinn. Der Überschuss schnellte um gut die Hälfte auf 1,17 Mrd. Euro hoch.