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Merken   Drucken   08.02.2011, 21:08 Schriftgröße: AAA

Sparprogramm: EnBW wird für Landesregierung zum Risiko

Der Einstieg bei EnBW wird für das Land Baden-Württemberg vorerst kein gutes Geschäft. Der viertgrößte deutsche Energieversorger rechnet nach einer kurzen Erholung mit sinkenden Gewinnen. von Michael Gassmann  Karlsruhe
Die Aussichten bei EnBW sind so trüb, dass Vorstandschef Hans-Peter Villis  zu drastischen Maßnahmen greift. Er kündigte am Dienstag eine Kürzung der Investitionen um 2,8 Mrd. Euro bis 2013 und ein Sparprogramm an, mit dem er die Kosten um 300 Mio. Euro jährlich drücken will. "Wir müssen uns nach der Decke strecken", sagte Villis in Karlsruhe.
Aktionärsstruktur von EnBW   Aktionärsstruktur von EnBW
Sechs Wochen vor der Landtagswahl ist das eine heikle Ankündigung. Der Deal ist ohnehin eines der brisantesten Wahlkampfthemen. Ministerpräsident Stefan Mappus hatte der französischen EDF 45 Prozent der EnBW-Anteile abgekauft und den Kaufpreis von 4,7 Mrd. Euro über Schulden finanziert. Die EnBW-Dividende muss reichen, um Zins und Tilgung zu decken - andernfalls würden die Steuerzahler belastet.
Für 2010 bleibt die Dividende unverändert bei 1,53 Euro je Aktie, kündigte Villis am Dienstag an. Das Land kann damit rund 168 Mio. Euro einplanen. Schon für 2011 gibt es aber Unsicherheiten. Über alle Sparten hinweg rechnet EnBW mit sinkenden Gewinnen aus dem laufenden Geschäft. Das operative Ergebnis falle voraussichtlich um 10 bis 15 Prozent niedriger aus, sagte Villis. "Es gibt keine Garantiedividende, es gibt nur eine Dividendenrichtlinie", stellte er klar. Danach sollen die Aktionäre zwischen 40 und 60 Prozent des bereinigten Nettogewinns erhalten - momentan liegt die Ausschüttung an der Untergrenze dieser Spanne.
Villis machte vor allem die Brennelementesteuer für die Einbrüche verantwortlich: Sie koste den Konzern jährlich 440 Mio. Euro. Allerdings offenbaren die Zahlen auch strategische und operative Schwächen. "Im Vertrieb sind wir nicht ganz so erfolgreich", gestand der Vorstandschef zu. Kürzlich verlor EnBW sogar den Prestigekunden Daimler. Kein Einzelfall: Insgesamt kauften Industriekunden im Jahr des Aufschwungs 4,2 Prozent weniger Strom bei EnBW ein. Noch drastischer war das Minus mit knapp 22 Prozent bei Gas. Auch unter den rund sechs Millionen Haushaltskunden büßte EnBW Marktanteile ein.
Gute Ergebnisse im Stromhandel und ein dreistelliger Millionenerlös aus dem Verkauf der Tochter Geso retteten dem Energiekonzern den Gewinn. Der Überschuss schnellte um gut die Hälfte auf 1,17 Mrd. Euro hoch.
Um die Kasse aufzubessern, plant Villis weitere Beteiligungsverkäufe für 1,8 Mrd. Euro in den kommenden drei Jahren. Bis zu 49 Prozent der Schweizer Tochter Energiedienst Holding stehen zum Verkauf, ebenso Anteile der österreichischen EVN, dazu diverse Immobilien. Bis Jahresende muss der Vorstand zudem entscheiden, ob EnBW eine Option zum Einstieg bei der ostdeutschen Ferngasfirma VNG wahrnimmt. "Das steht auf dem Prüfstand", sagte der Konzernchef. Das Ziel einer Mehrheitsübernahme bei VNG hatte er nicht erreicht. Damit fehlen dem Stromversorger eigene Möglichkeiten, kostengünstig Gas für seine Kraftwerke zu beschaffen. Zum Ausgleich will Villis nun die Zusammenarbeit mit der im Gasgeschäft starken Oldenburger Beteiligung EWE intensivieren.
Eine Stilllegung des Kernreaktors Neckarwestheim I schloss Villis nicht aus. Wenn Nachrüstungsforderungen "exorbitant hoch" ausfielen, werde EnBW genehmigte Reststrommengen auf andere Meiler übertragen.
  • Aus der FTD vom 09.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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