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Die Forschergemeinde ist schockiert. "Gerade in den letzten ein, zwei Jahren dachten wir: Jetzt werden endlich die entscheidenden Fortschritte gemacht", sagt Jörn Erselius, Geschäftsführer der Technologie-Transfer-Gesellschaft Max-Planck-Innovation, die auch für Alnylam forscht. Zu lösen gilt es vor allem ein Problem: die Botenstoffe an die Stelle im Körper zu bringen, wo sie wirken sollen.
"Wenn man etwas so Umwälzendes entdeckt, träumen die Leute manchmal von zu großen Dingen", erklärt sich Andrés McAllister, Forschungsvorstand beim Schweizer Pharmaunternehmen Debiopharm, die Wende. Seine Firma hat vorletzte Woche einen Kooperationsvertrag zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung von Marinas Biotech präklinischem Programm für Blasenkrebs abgeschlossen.
Debiopharm will sich auf ein einzelnes Feld konzentrieren, bei dem sich der Transport der Wirkstoffe erübrigt: die Behandlung von oberflächlichem Blasenkrebs. Ist der Tumor erst operativ entfernt, soll das Präparat direkt in die Blase gegeben werden. "So etwas in der Art machen auch andere, die an RNAi noch dran sind", so McAllister.
Den großen Konzernen sind solche Nischen offenbar nicht genug, um hohe Investitionen zu rechtfertigen. Man konzentriere sich nun "auf die größten Hoffnungsträger und Therapiegebiete mit dem größten medizinischen Bedarf", sagt ein Pfizer-Sprecher. Im Fall des Schweizer Konzerns Roche, der Tausende Stellen streicht, mutmaßt Erselius: "RNAi könnte schon der Strategie der Pharmaunternehmen zum Opfer gefallen sein, sich auf Entwicklungen in späteren Phasen zu konzentrieren."