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Merken   Drucken   04.10.2012, 07:00 Schriftgröße: AAA

Sportartikelhersteller: Doppelter Nutzen

Der Hilfsfonds der Sportartikelhersteller für geprellte Arbeiter in Niedriglohnländer ist gut für das Image. Er nützt Adidas, Puma oder Nike aber auch wirtschaftlich.
© Bild: 2009 ddp
Leitartikel Der Hilfsfonds der Sportartikelhersteller für geprellte Arbeiter in Niedriglohnländer ist gut für das Image. Er nützt Adidas, Puma oder Nike aber auch wirtschaftlich.

Die eigentlich günstige Produktion von Fußbällen oder Laufschuhen in Billiglohnländern kann die großen Sportartikelhersteller teuer zu stehen kommen: nämlich dann, wenn die Arbeiter ihr Geld nicht bekommen, weil die Zulieferfirma in Bangladesch oder Vietnam dichtmacht. In diesem Fall stehen die geprellten Arbeiter mit leeren Händen auf der Straße. Und die beste PR-Abteilung kann nicht verhindern, dass das dem Auftraggeber in Europa oder den USA angelastet wird.

Die Idee, nun einen Hilfsfonds für solche Fälle einzurichten, ist daher der richtige Weg für die Unternehmen, sich gegen solche Risiken zu wappnen. Und den Arbeitern mehr Sicherheit zu geben in Ländern, die ihren Bürgern oft nur unzureichende Rechtssicherheit gewährleisten.

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Klar ist: Unternehmen wie Adidas , Nike  oder Puma  tun das nicht aus Altruismus, sondern auch auf Druck von wichtigen Kunden wie den amerikanischen Universitäten. An der Richtigkeit aber ändert das nichts, zumal die Sportartikelbranche ihre Produktion fast vollständig an Zulieferer abgegeben hat - und deshalb kaum Einfluss auf deren Geschäftstätigkeit nehmen kann. Adidas musste das zuletzt erfahren, als ein indonesischer Zulieferbetrieb schloss und plötzlich der Vorwurf im Raum war, die Herzogenauracher hätten sich an Abfindungszahlungen nicht beteiligt. Da nützen Erklärungsversuche nichts, wenn ein solcher Vorwurf erst einmal in der Welt ist und sich verselbstständigt.

Ein Hilfsfonds kostet natürlich Geld. Aber erstens können die Kosten pro Unternehmen gering gehalten werden, wenn sich möglichst viele beteiligen. Und zweitens dürften geringe Preisaufschläge für die Konsumenten kein K.-o.-Kriterium sein: Wer 120 Euro für Basketballschuhe bezahlt, wird auch 121 Euro bezahlen, wenn der Mehrpreis begründet ist.

Ohnehin können die Hersteller ihre Preisgestaltung nur bedingt mit der Warenqualität rechtfertigen: Viele Produkte vom Wühltisch werden in den gleichen Ländern produziert, manche in den gleichen Fabriken. "Fair bezahlt" könnte ein weiteres Argument sein, mehr auszugeben. Ähnlich wie in der Lebensmittelbranche, deren Produktion ebenfalls von den Konsumenten kritisch beäugt wird.

Die Sportartikelbranche baut bislang vor allem auf Werbeplattformen wie Olympische Spiele und Fußballweltmeisterschaften. Das sind zweifellos wichtige Imageträger, aber sicherlich nicht die glaubwürdigsten bei heiklen Menschenrechtsthemen. Aber auch mit Hilfsfonds ist nur glaubwürdig, wer Missbrauch des Fondsgelds verhindert. Dann wäre die Idee sicherlich auch ein gutes Vorbild für die gesamte Textilbranche.

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  • Aus der FTD vom 04.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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