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Die Angelegenheit macht klar, wie die Regierung ihre Macht über das Unternehmen in einer kritischen Phase zurückerobert. Jahrzehntelang war Renault ein Staatskonzern und wurde direkt aus dem Wirtschaftsministerium geführt. Auch nach der schrittweisen Privatisierung, die bis 1996 andauerte, betrachten viele in der französischen Administration und Öffentlichkeit den Konzern als staatsnahes Unternehmen - obwohl die Regierung nur noch 15 Prozent hält. Damit ist der Staat aber größter Einzelaktionär und genießt herausgehobenen Einfluss im Verwaltungsrat. Das gilt umso mehr, als der Schwesterkonzern Nissan, der auf gleichem Niveau beteiligt ist, dort keine Stimmrechte wahrnimmt, weil er selbst von Renault beherrscht wird.
An dem Verhältnis zu Nissan zeigt sich, wie weit der Einfluss der Regierung inzwischen reicht. Ghosn denkt laut Konzernquellen seit Langem über eine Neuordnung der Überkreuzbeteiligung nach. Das hat gute Gründe: Analysten halten Renault für latent unterbewertet, weil ein Großteil der Erträge des Konzerns inzwischen von der japanischen Schwester fließen. Gleichzeitig aber können die Franzosen nicht flexibel auf die Barmittelflüsse der Japaner zugreifen.
In der Diskussion war, dass Renault seine 44-Prozent-Beteiligung an Nissan senkt und Nissan seinen Einfluss bei Renault erhöht. Laut Branchenkreisen haben Regierungsvertreter im Verwaltungsrat die Überlegungen gestoppt, kurz bevor sie konkret wurden. Sie fürchteten, dass der Staat dann an Einfluss verloren hätte. Ghosn ist gleichzeitig Chef von Renault und Nissan. Laut "Le Monde" haben die Regierungsvertreter von dem Konzernchef auch verlangt, dass er künftig mehr Zeit in Paris verbringt.