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Merken   Drucken   14.02.2012, 12:47 Schriftgröße: AAA

Staatsanteil an Reederei: Hamburg muss bei Hapag zeitig aussteigen

Leitartikel Beiersdorf, Aurubis, HapagLloyd: Die Hansestadt rettet ein ortsansässiges Unternehmen nach dem anderen. Standortsicherung und Wachstum kann sie aber nicht. Das Geschäft sollte Hamburg den Profis überlassen.
Das Engagement der Stadt Hamburg bei Hapag-Lloyd reicht noch in die Zeit von Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zurück. Der wollte erst nicht so gern Aktionär werden, dann ein bisschen, schließlich landete er bei rund 25 Prozent. Jetzt stockt sein sozialdemokratischer Nachfolger Olaf Scholz noch einmal auf.
Ungefähr parallel läuft die Diskussion über den Segen des Staatskapitalismus. Erst war er des Teufels, dann vielleicht gar nicht so schlecht, inzwischen gelten Modelle wie die in China und Brasilien auch einstigen überzeugten Marktwirtschaftlern als beispielhaft.
Vereister Elbstrand in Hamburg   Vereister Elbstrand in Hamburg
Hamburg missachtet seit 2003 die reine Lehre. Damals stieg die Stadt beim Nivea-Hersteller Beiersdorf  ein, bevor der Versicherungskonzern Allianz  seine Anteile an den US-Giganten Procter & Gamble  (P&G) verkaufen konnte. Dieses Beispiel gilt der Stadt bis heute als größter Beleg für die Richtigkeit ihrer Interventionspolitik.
Ordnungspolitisch kann man locker dagegenhalten. Beiersdorf allein hat es bis heute nicht geschafft, sich außerhalb von Europa zu etablieren. Der Nivea-Konzern hat ein echtes Wachstumsproblem. Unter der Regie des Weltkonzerns P&G hätten seine Marken dagegen voraussichtlich prosperiert.
Das allerdings muss die Hamburger Landespolitiker erst einmal nicht sorgen. Ihre Zwischenbilanz im Fall Beiersdorf ist in Ordnung: Die Stadt hat ihren Anteil 2007 ohne Verlust wieder verkauft - in der Zwischenzeit und bis heute fielen Steuereinnahmen an, auf die die Stadt bei einem Verkauf an P&G sicherlich zum überwiegenden Teil hätte verzichten müssen.
Ähnlich verhält es sich im Fall des Kupferkonzerns Aurubis. Dessen Standort in Hamburg hat der Senat gesichert, der Konzern ist seitdem aber nicht gerade eine Wachstumsrakete.
Das alles kann die Hamburger Politik für sich verwenden, wenn sie den Einstieg auch bei Hapag-Lloyd rechtfertigt. Ohne den Schritt wäre der Konzern vor drei Jahren voraussichtlich an einen asiatischen Konkurrenten gegangen. Hamburg hätte Arbeitsplätze verloren, der für die Stadt lebenswichtige Hafen an Bedeutung. Das mag für die Rechtfertigung der Bürgerschaft gegenüber Kritikern erst einmal reichen.
Nur ist die Verhinderung von Unheil auf Dauer eine zu defensive Strategie. Als Eigentümer hat man eine Verantwortung. Für Politiker ist es Selbstzweck, den Standort zu sichern, an dem sich auch die Wähler befinden. Für ein Unternehmen ist das kein strategisches Ziel. Am Ende sichert einzig Wachstum das Überleben. Am Ende hat Hamburg dabei weder Beiersdorf noch Aurubis geholfen. Die Stadt kann Standortsicherung, Wachstum offensichtlich nicht. Deswegen sollte sie aus Hapag-Lloyd so rasch wie möglich wieder aussteigen und Wachstumsprofis das Geschäft überlassen.
  • Aus der FTD vom 14.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 15.02.2012 08:52:06 Uhr   Hans B. Schmidt: Hapag

    hätten,hätte,wäre,hätte und dann noch Wachstumsprofis:-)
    wenn das Wörtchen wenn nicht wäre wäre der Leitartikler schon längst Millionär
    Kaffesatzlesen :-)

  • 14.02.2012 18:04:16 Uhr   khaproperty: Die (nicht allein) Sozentradition in HH
  • 14.02.2012 15:01:16 Uhr   C. Link: Hamburg muss bei Hapag zeitig aussteigen
  • 14.02.2012 14:01:36 Uhr   MatPat: Beiersdorf udn P&G
  • 14.02.2012 13:11:10 Uhr   Stairway: BHO
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