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Merken   Drucken   23.08.2012, 08:53 Schriftgröße: AAA

Stahlindustrie: ThyssenKrupp verkauft Konzerntochter an Chinesen

Der Verkauf der Tochter Tailored Blanks steht kurz bevor. Den Zuschlag soll der weltweit fünftgrößte Stahlkonzern Wisco kriegen. Der Deal öffnet der Konkurrenz aus China Tür und Tor.
© Bild: 2012 ThyssenKrupp
Exklusiv Der Verkauf der Tochter Tailored Blanks steht kurz bevor. Den Zuschlag soll der weltweit fünftgrößte Stahlkonzern Wisco kriegen. Der Deal öffnet der Konkurrenz aus China Tür und Tor.
von Düsseldorf und Hamburg

ThyssenKrupp  ebnet der Konkurrenz aus China den Weg in den deutschen Markt. Nach FTD-Informationen soll die Konzerntochter Tailored Blanks an den weltweit fünftgrößten Stahlhersteller Wuhan Iron and Steel (Wisco) verkauft werden. Der Prozess gehe in die Endphase, hieß es in informierten Kreisen. Tailored Blanks erzielt mit rund 900 Beschäftigten 700 Mio. Euro Umsatz. Die Firma ist führend bei lasergeschweißten Blechen für Autos, sogenannten Tailored Blanks, die aber zunehmend durch modernere Technik ersetzt werden. Zu den Kunden zählen VW  und die Ford -Gruppe. ThyssenKrupp wollte sich am Mittwoch zu Details wie Käufernamen nicht äußern. "Der Verkaufsprozess läuft", sagte ein Sprecher.

Mit dem geplanten Verkauf an Wisco dringt ein chinesischer Wettbewerber ins Herz der deutschen Stahlindustrie vor: Tailored Blanks werden vor allem in Duisburg produziert. Chinas Hersteller dominieren zwar längst den Weltmarkt für Stahl. In Europa sind sie mit eigenen Werken bisher aber kaum vertreten - und in Deutschland so gut wie gar nicht. Aus chinesischer Sicht ist der europäische Stahlmarkt aber von großer strategischer Bedeutung.

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Wisco ist mit einer Jahresproduktion von 38 Millionen Tonnen Stahl und 15,6 Mrd. Dollar Umsatz Chinas drittgrößter Stahlhersteller. Inzwischen ist der Konzern börsennotiert, der Staat ist aber beteiligt.

Vor eineinhalb Jahren noch hatte ThyssenKrupp einem chinesischen Interessenten in einem ähnlichen Fall eine Absage erteilt: Beim Verkauf der Metallumformsparte hatten Autokunden protestiert, weil sie einen Abfluss von Know-how nach China befürchteten. Auch bei Tailored Blanks waren die Autokunden in den Verkaufsprozess eingebunden, hieß es. Denn die Zusammenarbeit ist eng: Allein 55 Prozent des europäischen Umsatzes machte die ThyssenKrupp-Tochter im Jahr 2008/09 mit VW. Das geht aus internen Papieren des Essener Konzerns hervor, die der FTD vorliegen.

In den letzten Jahren allerdings wurde die Technik zunehmend durch Monobleche aus höchstfesten Stählen, durch neue Werkstoffe und andere Plattformkonzepte westlicher Autohersteller überflüssig. So kommt der neueste VW-Golf ohne Tailored Blanks von ThyssenKrupp aus. Eine Zukunft habe die Technologie heute vor allem noch in Schwellenländern, hieß es in Branchenkreisen.

Anfang des Jahrtausends zählte Tailored Blanks zu den Perlen des ThyssenKrupp-Konzerns. Ein damals neues Verfahren machte es möglich, Stahlbleche für Autos von unterschiedlicher Dicke, Güte oder Beschichtung durch Laserstrahlschweißen zusammenzufügen. 2008 lag ThyssenKrupps globaler Marktanteil den internen Papieren zufolge bei 33 Prozent - und damit vor Konkurrent ArcelorMittal mit 25 Prozent.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger setzte die Tochter vor gut einem Jahr auf eine Liste, die den Verkauf von Geschäften vorsieht. Diese machen ein Viertel des Konzernumsatzes aus. Inzwischen kamen weitere Gesellschaften hinzu - etwa die italienische Tochter Berco. Mit den Erlösen trägt der Konzern hohe Schulden von 5,8 Mrd. Euro ab - die Folge des missratenen Baus zweier Stahlwerke in Amerika. Auch diese Hütten stehen mittlerweile zum Verkauf. Zu den Interessenten zählt wiederum: Wisco.

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