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Merken   Drucken   31.03.2009, 14:04 Schriftgröße: AAA

Stellenprofil für den Bahn-Chef: Staatlich, rentabel, gleisgebunden sucht...

Nach dem Abgang von Bahn-Chef Mehdorn sucht die Deutsche Bahn einen neuen Konzernlenker. FTD.de will helfen: Eine Stellenausschreibung für den künftigen Chef, der vieles mitbringen muss - nur keinen Vornamen.
von Gregor Haake (Hamburg) und David Böcking (Berlin)

Wir sind ein 1994 gegründetes deutsches Eisenbahnunternehmen mit dennoch langer Tradition und rund 237.000 Mitarbeitern, die in rund 150 Ländern tätig sind. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt suchen wir einen

Bahn-Chef (m/w)

Wir bieten Ihnen

  • Den laut Gerhard Schröder "zweitverrücktesten Job in Deutschland". Als Chef eines Staatsunternehmens dürfen sich nicht nur mit einer wachsenden Zahl von Mitbewerbern auseinandersetzen, sondern auch mit einer regen Schar von Politikern, Arbeitnehmervertretern und Fahrgastverbänden.
  • Die Führung eines Unternehmens mit guten Zahlen: Unser Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg 2008 um 4,8 Prozent auf 2,48 Mrd. Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 6,8 Prozent auf 33,5 Mrd. Euro. Allerdings hat ihr Vorgänger bereits angekündigt, er rechne wegen der Wirtschaftskrise mit einer Verschlechterung der Geschäfte. Derzeit liegen die Umsätze bereits acht Prozent unter dem Vorjahreswert.
  • Einen (nicht mehr ganz so) gut dotierten Arbeitsplatz. Das Gehalt ihres Vorgängers lag laut "Bild"-Zeitung zuletzt bei etwa 2 Mio. Euro - eine Million weniger als im Vorjahr.

Ihre Aufgaben

  • Die Bahn weiter modernisieren. Ihr Vorgänger hat aus einem Staatsbetrieb mit Milliardenverlusten einen weltweit tätigen Logistikkonzern gemacht.
  • Den Güterverkehr zurück aufs Gleis bringen: In dieser Sparte ist die Auftragslage dramatisch eingebrochen - und Besserung ist zunächst nicht in Sicht.
  • Investoren und Anlegern umschmeicheln. Der verschobene Börsengang unseres Unternehmens dürfte in den kommenden Monaten und Jahren wieder ein großes Thema werden. Denn die Bahn braucht Geld - für Investitionen ins Schienennetz und für den Schuldenabbau.
  • Eine Expansionsstrategie entwerfen. Ihr Vorgänger hatte dem Konzern einen kräftigen Wachstumskurs verordnet. Nicht jede Position erwies sich dabei aber als sinnvoll.

Ihr Profil

  • Sie sind ein Teamplayer. Die Politik erwägt künftig eine Doppelspitze für die Bahn-Holding und ihre Betriebstochter DB Mobility Logistics.
  • Sie sind kritikfähig. Ihr Vorgänger kam nur sehr schwer damit zurecht, wenn Verkehrsminister, Gewerkschafter oder das Eisenbahnbundesamt Widerworte gaben. Das können Sie besser.
  • Sie können loslassen. Ihr Vorgänger hatte gerne alles unter Kontrolle. Dass die Bahn unter seiner Führung selbst den Email-Verkehr von Mitarbeitern überwachte, wurde ihm zum Verhängnis.
  • Sie sind in Berlin gut vernetzt. Weil sich ein Bahn-Chef immer Feinde macht, muss er starke Verbündete in der Regierung haben.
  • Sie können auch mit Arbeitnehmervertretern. Mehrere zerstrittene Bahngewerkschaften wollen von Ihnen befriedet werden. Bewährtes Rezept Ihres Vorgängers: Bieten Sie Top-Gewerkschaftern einen Vorstandsposten an.
  • Sie haben eine hohe Frustrationstoleranz. Rückschläge wie einen abgesagten Börsengang oder eine gescheiterte Schaltergebühr können Sie gut verkraften.
  • Sie verfügen über Erfahrung in der Logistikbranche und ein wenig technisches Grundwissen. Hilfreich wäre etwa, wenn Sie etwas von fehlerhaften ICE-Achsen verstünden.
  • Sie sind entscheidungsstark und haben auch den Mut, Entscheidungen des Vorgängers zurückzudrehen.
  • Sie legen keinen Wert auf Ihren Vornamen. Der lautet künftig nur noch "Bahnchef".
  • FTD.de, 31.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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