Im Kampf gegen Billigimporte aus China bekommt die westliche Solarindustrie Beistand aus der Politik. Die US-Handelskommission setzte am Donnerstag - zwei Tage nach der Präsidentschaftswahl in den USA - für die kommenden fünf Jahre Strafzölle auf Solartechniken aus der Volksrepublik fest. Gleichzeitig kündigte die EU an, die Konkurrenz aus der Volksrepublik auf staatliche Beihilfen zu überprüfen. Untersuchungen über Dumpingpreise laufen schon länger.
Der Schritt der USA ist eine weitere Eskalation des Handelsstreits mit China. Das Land hat durch massive Subventionen in die heimische Solarindustrie dafür gesorgt, dass die Branche weltweit unter Überkapazitäten leidet. Etliche Firmen sind schon pleitegegangen. Gleichzeitig sorgen sich viele Regierungen um die Solarindustrie - gilt sie doch als wichtige Säule der Energiewende.
Peking reagierte ungehalten auf die Nachrichten aus Washington und Brüssel. Der Chef des chinesischen Solarkonzerns Yingli, Liangshen Miao, sagte: "Wir sind nun mitten in einem globalen Handelskrieg." Jifan Gao, Chef von Trina Solar, warf den USA Protektionismus vor und erwartet nun geringere Investitionen. Gordon Brinser, Chef der US-Tochter der Bonner Solarworld, hofft dagegen auf bessere Zeiten. Die Strafzölle erlaubten den US-Herstellern wieder zu investieren und Personal einzustellen.
Die USA und China streiten sich seit Jahren in Handelsfragen. So erhebt die Volksrepublik seit einigen Monaten Anti-Dumping-Zölle auf Autoimporte aus den USA, während diese wiederum hohe Abgaben auf Stahltürme für Windkraftanlagen aus chinesischer Produktion verlangen.
Die nun festgesetzten Strafzölle bewegen sich je nach Unternehmen zwischen 18 und 250 Prozent. Betroffen sind unter anderem der weltgrößte Solarmodulhersteller Suntech mit 36 Prozent und Trina Solar mit knapp 24 Prozent.
Mit Solarworld an der Spitze hatten Firmen in den USA und Europa Petitionen und Beschwerden gegen die Konkurrenz aus China eingereicht. EU-Handelskommissar Karel de Gucht prüft seit Anfang September die Vorwürfe europäischer Hersteller. Er hat 15 Monate Zeit, den Markt unter die Lupe zu nehmen und über Strafzölle zu befinden.
2011 verkauften die Chinesen Solarmodule und dazugehörige Bauteile im Wert von 21 Mrd. Euro in Europa, das für die chinesische Solarindustrie der wichtigste Exportmarkt ist. In die USA exportierten sie Solartechnik im Wert von 2,4 Mrd. Euro.
Wie hart der Preiskampf ist, zeigen auch neue Zahlen von SMA Solar, dem weltgrößte Wechselrichterproduzenten. Zwar steigerte die hessische Firma ihre Verkäufe in den ersten neun Monaten, der Gewinn brach aber trotzdem ein.
SMA steht damit zwar besser da als andere Unternehmen der Branche, die beinahe allesamt - auch die chinesischen -rote Zahlen schreiben. Wegen des Preiskampfes und der staatlichen Förderkürzungen im schuldengeplagten Europa zeichnet SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon allerdings für 2013 ein düsteres Bild. Er rechnet mit einem Umsatzeinbruch und plant Stellenstreichungen, um einen Verlust zu verhindern.