Der Streit zwischen der norwegischen Ölindustrie und den Gewerkschaften bewegt die Ölmärkte. Nach drei Tagen Preisverfall ist der Brent-Ölpreis am Montag um rund ein Prozent auf mehr als 99 Dollar pro Barrel (159 Liter) gestiegen. Die Ölfirmen des Landes, darunter vor allem der mit Abstand größte Produzent Statoil , schlossen derweil ihre Vorbereitungen für einen Förderstopp ab. Um streikende Mitarbeiter unter Druck zu setzen, sperren die Ölkonzerne sie ab Montagnacht, 24 Uhr, von der Arbeit aus, sofern es nicht in letzter Sekunde zu einer Einigung kommt oder die Regierung eingreift.
Hintergrund ist ein Arbeitskampf der Mitarbeiter von Offshore-Plattformen. Die Mitglieder der Gewerkschaften Industri Energi, der Organisation der Energiemitarbeiter (SAFE) und der Norwegian Organisation of Managers and Executives (Lederne) streiken seit dem 24. Juni, weil sie eine Lohnerhöhung und ein Frühverrentungssystem für die gut 7000 Beschäftigten durchsetzen wollen. Das lehnt die Arbeitgeberseite strikt ab.
Es geht um viel Geld und viel Öl. Norwegen ist der größte westeuropäische und der achtgrößte Ölförderer der Welt, der Großteil des Rohstoffs ist für den Export nach Europa bestimmt. 2011 produzierte Norwegen insgesamt laut "BP Statistical Review of World Energy" pro Tag rund zwei Millionen Barrel Öl, 2,3 Prozent der Gesamtförderung der Welt. Die Menge entspricht fast dem gesamten deutschen Tagesverbrauch.
Bislang waren von dem Streik nur gut 13 Prozent der norwegischen Öl- und knapp vier Prozent der Gasproduktion betroffen. Durch den nun angekündigten Förderstopp sinkt allein Statoils Öl- und Gasproduktion um rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag. An Umsatz fallen damit jeden Tag rund 520 Mio. norwegische Kronen (69 Mio. Euro) weg.
"Wir hoffen, dass die Regierung noch vor Mitternacht eingreift und den Arbeitskampf stoppt", sagte eine Sprecherin des Arbeitgeberverbands OLF, der die Aussperrung der Mitarbeiter Ende vergangener Woche beschlossen hatte. Die norwegische Regierung kann die Arbeiter zwingen, zu ihren Arbeitsplätzen zurückzukehren. Bei ähnlichen Disputen hatte sie in der Vergangenheit bereits mehrfach eingegriffen, um zu verhindern, dass die für die Volkswirtschaft so wichtige Ölindustrie leidet. Sie steuert die Hälfte zu Norwegens Exporten bei.
Auch Statoil hofft auf die Regierung. "Je länger dieser Arbeitskampf dauert, desto schwerer wird es, unseren guten Ruf als zuverlässiger Energielieferant zu verteidigen", sagte ein Konzernsprecher. Am Wochenende waren die Verhandlungen zwischen den Tarifparteien gescheitert. Am Montag fanden nach Angaben der OLF keine weiteren Gespräche statt, es waren auch keine mehr angesetzt.