Zumindest einen positiven Aspekt hat die Nachricht, dass die Opel-Führung über den Abzug der Astra-Produktion aus Rüsselsheim nachdenkt: Das Management macht sich ernsthaft Gedanken über die Zukunft der europäischen Fabriken und wie man Kosten sparen kann.
Das Auto könnte künftig nur noch in zwei Fabriken gebaut werden: im polnischen Gliwice und im britischen Ellesmere Port. Damit würde das absatzstärkste Modell des Traditionsherstellers nur noch im Ausland gefertigt. Nebenbei sei gesagt: Die meisten Astras kommen ohnehin schon aus Polen und England.
Dass die Rüsselsheimer Kollegen sich über die Gedankenspiele ärgern, ist klar. Zudem hätte das Ende der Astra-Produktion im Opel-Land Deutschland natürlich starke Symbolkraft.
Auf der anderen Seite wäre es eine gute Nachricht sowohl für die polnische Fabrik als auch für Ellesmere Port. Denn der britische Standort steht selbst seit Monaten auf der schwarzen Liste des Konzerns. Für die Mitarbeiter in Großbritannien wäre der Astra also ein Hoffnungsschimmer.
Trotz aller Hoffnungen und Sorgen dürfen zwei Dinge jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Weder droht dem Rüsselsheimer Werk das Aus, wenn Opel die Astra-Produktion dort abzieht, noch ist der angeschlagene Autobauer dann gerettet. Dafür sind die Volumen, um die es bei dieser Entscheidung geht, viel zu klein.
Erst seit 2011 läuft der Kompaktwagen in Rüsselsheim vom Band. Ein anderes Autos ist weitaus wichtiger für die hessische Fabrik: der Insignia. Opel baute dort im vergangenen Jahr mit mehr als 3000 Mitarbeitern auf derselben Fertigungslinie 150.000 Stück des großen Modells, aber nur gut 18.000 Exemplare des Kompaktwagens Astra. Europaweit stellte Opel insgesamt 328.900 Stück des Astra her. In der Debatte schwingt zudem ein grundsätzlicher Streit zwischen Management und Arbeitgebern bei Opel mit. Der Fingerzeig nach England und Polen zeigt, dass die Herstellungskosten in beiden Ländern geringer sind. Die Belegschaften dieser Werke sind sogar bereit, weitere Zugeständnisse an die Unternehmensführung zu machen, etwa beim Thema Arbeitszeit. Kein Wunder, dass die Mitarbeiter hierzulande über finanzielle Opfer nachdenken, um den Astra in Rüsselsheim zu halten.
Doch Opfer hin oder her: Opel wird sich niemals gesund sparen können. Was der Konzern braucht, sind attraktive, margenstarke Modelle und vor allem viel mehr Kunden. Doch das Kundenwachstum ist begrenzt, so lange der Hersteller nicht nach China ausweichen darf. Der Mutterkonzern General Motors aber verhindert das - aus Angst vor Konkurrenz für seine US-Modelle.
Erst wenn gesichert ist, dass Opel einträgliche Modelle an viel mehr Käufer absetzen kann, ist es völlig egal, wo ein paar Tausend Astra-Autos gefertigt werden. Bis dahin aber wird der Streit ums Klein-Klein bei Opel weitergehen.