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Merken   Drucken   30.10.2012, 15:35 Schriftgröße: AAA

Strommarkt: Braunkohle - Gewinner der Energiewende

Die Energiewende mischt den deutschen Strommarkt auf. Gewinner sind ausgerechnet die teuerste und die schmutzigste Energie.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Federico Gambarini
Die Energiewende mischt den deutschen Strommarkt auf. Gewinner sind ausgerechnet die teuerste und die schmutzigste Energie.
von Düsseldorf

Die Energiewende verschiebt den deutschen Energiemix in beachtlichem Tempo - wenn auch nicht unbedingt in die gewünschte Richtung. Größte Gewinner im deutschen Energiemix sind in den ersten neun Monaten 2012 die besonders teure Fotovoltaik und die klimaschädliche Braunkohle. Die Erzeugung von Solarstrom schnellte nach Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (Ageb) gegenüber der Vorjahreszeit um gut 50 Prozent nach oben. "Die Fotovoltaik setzte ihren Aufwärtstrend dynamisch fort", stellen die Ageb-Experten fest.

Grün und Braun gleichauf: Anteile der Energieträger am ...   Grün und Braun gleichauf: Anteile der Energieträger am Primärenergieverbrauch in Deutschland 2012

Die hohen Steigerungsraten deuten auf eine Art Torschlusspanik bei Solarinvestoren. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle heizte das Rennen um die Fördertöpfe am Montag mit der Forderung nach einem Baustopp für neue Anlagen an. Gleichzeitig befeuert die Explosion der Sonnenstromerzeugung die Debatte um deren Bezahlbarkeit. Im Mix aus alten und neuen Anlagen beträgt die durchschnittliche Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) derzeit rund 35 Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: Onshore-Windstrom wird im Schnitt mit weniger als 9 Cent vergütet. Entsprechend geringer ist der Andrang der Investoren: Die Windstromproduktion stieg in den ersten neun Monaten lediglich um sieben Prozent.

Zweiter großer Profiteur der Verschiebungen im Energiemix ist die Braunkohle, deren Verbrauch zwischen Jahresbeginn und Ende September um sechs Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums lag. Hauptursache sei die Inbetriebnahme neuer Kraftwerksblöcke gewesen, so die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. RWE  hatte im August zwei sogenannte Blöcke mit optimierter Anlagentechnik (BoA-Kraftwerke) im rheinischen Revier in Betrieb genommen.

Braunkohlestrom gilt mit Erzeugungskosten von etwa 2 Cent je Kilowattstunde als besonders wirtschaftlich. Die Betreiber lassen die Kraftwerke deshalb so weit wie möglich rund um die Uhr laufen. Dies ist oft machbar, da Erneuerbare allein die Stromproduktion der im vergangenen Jahr geschlossenen acht Atomkraftwerke nicht ersetzen können. Den Betreibern kommt zudem der dauerhaft niedrige Preis für Emissionsrechte zupass. Derzeit kostet die Lizenz, eine Tonne CO2 in die Luft zu pusten, weniger als 8 Euro. Braunkohlekraftwerke erzeugen doppelt so viel Klimagas pro erzeugter Kilowattstunde Strom wie beispielsweise Gaskraftwerke.

Der deutsche Energieverbrauch werde im Gesamtjahr 2012 stagnieren, prognostiziert die Ageb, eine Kooperation aus wissenschaftlichen Instituten und Energieverbänden. In den ersten neun Monaten blieb der Konsum ebenfalls unverändert. Das tendenziell verbrauchssteigernde kühlere Wetter sei durch bessere Energieeffizienz und statistische Effekte ausgeglichen worden. Braunkohle steuerte 12,2 Prozent zur Deckung des Energiebedarfs bei - exakt so viel wie die Erneuerbaren. Die übrigen Energieträger, also Erdöl, Erdgas und Steinkohle, mussten Einbußen hinnehmen. Am stärksten sank der Kernenergieeinsatz: minus 13 Prozent.

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