Ein Mitarbeiter der Leipziger Energiebörse EEX
Die EEX verzeichnete Dienstagabend mit 52,19 Euro je Megawattstunde für Grundlaststrom, der im kommenden Jahr geliefert werden soll, den geringsten Preisstand seit mehr als 13 Monaten. Unmittelbar nach der Abschaltung von acht Kernkraftwerken war die Notierung über 60 Euro gesprungen.
Viele Fachleute rechneten damals mit weiteren Erhöhungen - doch das Gegenteil trat ein. "Der Markt in Europa ist gut versorgt", sagte ein Eon-Sprecher. Die Nachfrage sei wegen der ungewöhnlich milden Witterung schwach, während reichlich Strom - auch aus dem Ausland - angeboten werde. So exportierten tschechische und französische Kernkraftwerke, die Anfang Januar normalerweise mit der Produktion von Heizstrom gut ausgelastet seien, derzeit gerne Elektrizität nach Deutschland.
Auch die zuletzt skeptischeren Konjunkturprognosen drücken den Preis zusätzlich, denn die Industrie hält sich angesichts gedämpfter Produktionserwartungen mit dem Einkauf von Strom auf Vorrat zurück. Zudem hat sich die Erzeugung von Kohlestrom durch einen Preisrutsch bei CO2-Emissionsrechten verbilligt. Die Zertifikate sind nur noch halb so teuer wie im Sommer vergangenen Jahres.
Die Gewinne der Stromkonzerne könnten unter einem dauerhaften Preistief leiden. "Wenn es bei dem derzeitigen Niveau bleibt, könnten die Margen nach 2014 zurückgehen", sagte Bernhard Jeggle, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Zu der Verzögerung kommt es, weil Stromerzeuger wie
Eon oder
RWE den Großteil der Elektrizität auf Jahre im Voraus verkaufen. Derzeit kassieren sie deshalb nach Schätzungen im Schnitt immer noch knapp 60 Euro je erzeugter Kilowattstunde.