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Merken   Drucken   04.01.2012, 15:29 Schriftgröße: AAA

Strompreis: Preisrutsch bei Industriestrom

Dank des milden Wetters und steigender Importe fallen die Notierungen an der Energiebörse EEX weit unter das Niveau vor Fukushima. Der private Stromkunde merkt nichts. von Michael Gassmann  Düsseldorf
"Billiger wird's nicht!" Das sagte Ex-Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle nach der Energiewende im Sommer. Doch er hatte Unrecht - zumindest was Industriestrom anbelangt. An der Leipziger Strombörse EEX sind die Notierungen am Dienstag erstmals seit mehr als einem Jahr auf rund 52 Euro je Megawattstunde gesunken, deutlich unter das Niveau unmittelbar vor dem Fukushima-Unfall.
Warnungen vor einem Exodus der deutschen Industrie wegen hoher Strompreise erscheinen damit als verfrüht. So hatte einst die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft den Verlust von 100.000 Jobs allein im Freistaat an die Wand gemalt. Der BDI prognostizierte eine Verdreifachung der Industriestrompreise bis 2017.
Ein Mitarbeiter der Leipziger Energiebörse EEX   Ein Mitarbeiter der Leipziger Energiebörse EEX
Die EEX verzeichnete Dienstagabend mit 52,19 Euro je Megawattstunde für Grundlaststrom, der im kommenden Jahr geliefert werden soll, den geringsten Preisstand seit mehr als 13 Monaten. Unmittelbar nach der Abschaltung von acht Kernkraftwerken war die Notierung über 60 Euro gesprungen.
Viele Fachleute rechneten damals mit weiteren Erhöhungen - doch das Gegenteil trat ein. "Der Markt in Europa ist gut versorgt", sagte ein Eon-Sprecher. Die Nachfrage sei wegen der ungewöhnlich milden Witterung schwach, während reichlich Strom - auch aus dem Ausland - angeboten werde. So exportierten tschechische und französische Kernkraftwerke, die Anfang Januar normalerweise mit der Produktion von Heizstrom gut ausgelastet seien, derzeit gerne Elektrizität nach Deutschland.
Auch die zuletzt skeptischeren Konjunkturprognosen drücken den Preis zusätzlich, denn die Industrie hält sich angesichts gedämpfter Produktionserwartungen mit dem Einkauf von Strom auf Vorrat zurück. Zudem hat sich die Erzeugung von Kohlestrom durch einen Preisrutsch bei CO2-Emissionsrechten verbilligt. Die Zertifikate sind nur noch halb so teuer wie im Sommer vergangenen Jahres.
Die Gewinne der Stromkonzerne könnten unter einem dauerhaften Preistief leiden. "Wenn es bei dem derzeitigen Niveau bleibt, könnten die Margen nach 2014 zurückgehen", sagte Bernhard Jeggle, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Zu der Verzögerung kommt es, weil Stromerzeuger wie Eon  oder RWE  den Großteil der Elektrizität auf Jahre im Voraus verkaufen. Derzeit kassieren sie deshalb nach Schätzungen im Schnitt immer noch knapp 60 Euro je erzeugter Kilowattstunde.

Teil 2: Preisrutsch geht an privaten Stromkunden komplett vorbei

  • FTD.de, 04.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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