Kräftiges Einkommensplus für die VW -Belegschaft: Die rund 102.000 Tarifbeschäftigten der sechs westdeutschen Werke und der Finanzsparte bekommen vom 1. Juni an 4,3 Prozent mehr Geld. Das beschlossen die IG Metall und das Management des Autobauers in ihrer zweiten Gesprächsrunde über einen neuen Haustarifvertrag. Beide Seiten hatten sich nach langen Verhandlungen in der Nacht zum Donnerstag in Hannover geeinigt.
Die Laufzeit des neuen Lohntarifvertrages betrage 13 Monate, teilte die Gewerkschaft mit. Der Abschluss entspricht damit in etwa der Vereinbarung, die die IG Metall mit den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie im Pilotbezirk Baden-Württemberg getroffen hatte. Die Laufzeit bei Volkswagen enthält jedoch keinen sogenannten Nullmonat, der das jährliche reale Plus in der Gesamtbranche auf etwa 4,0 Prozent senkt. Dort greift die Erhöhung, die rückwirkend zum 1. April beschlossen wurde, zum 1. Mai - auf ein Jahr hochgerechnet bleibt den Mitarbeitern deshalb unterm Strich etwas weniger im Portemonnaie als den Beschäftigten bei Volkswagen.
Die VW-Arbeitnehmer hatten einen höheren Lohnzuschlag als den für die gesamte Branche angestrebt. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte deutlich gemacht, dass 4,3 Prozent mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten aus seiner Sicht "optimal" wären.
Die Tarifparteien einigten sich nach Gewerkschaftsangaben zudem darauf, dass die Leiharbeiter bei Volkswagen nach neun Monaten die gleichen Löhne wie fest angestellte Mitarbeiter erhalten. Auch zur Übernahme der Leiharbeiter in Festanstellungen sei eine Regelung vereinbart worden, teilte das Unternehmen mit.
"Der Erfolg von Volkswagen spiegelt sich im Tarifergebnis wider. Davon profitieren Stamm- und Leiharbeitsbeschäftigte gleichermaßen", sagte IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine. "Wir sind dafür ans Äußerste dessen gegangen, was der verschärfte internationale Wettbewerb in der Automobilindustrie zulässt", sagte Personalvorstand Horst Neumann.
Bei VW handelt die IG Metall traditionell einen Haustarif für die sechs westdeutschen Werke aus. In diesem Jahr wurden die Gespräche zeitweise parallel mit denen in der bundesweiten Branche geführt. In beiden Tarifrunden hatte die IG Metall 6,5-prozentige Lohnaufschläge für zwölf Monate gefordert.
Im vergangenen Jahr waren die VW-Tarifgehälter um 3,2 Prozent angehoben worden. Zusätzlich erhielten die Beschäftigten einmalig ein Prozent ihres Jahresgehalts, mindestens aber 500 Euro. Damit lag das Gesamtvolumen des Tarifabschlusses bei 4,2 Prozent.
VW ist derzeit sehr erfolgreich. Der niedersächsische Konzern verfolgt unter Vorstandschef Martin Winterkorn das Ziel, gemessen am Absatz größter Autokonzern der Welt zu werden. Zuletzt vergrößerte das Unternehmen den Vorsprung zur Konkurrenz: Während die Rivalen unter der Absatzkrise in Südeuropa leiden und ihre Werke kaum auslasten können, überraschte Europas größter Autobauer in der vergangenen Woche mit einem kräftigen Umsatz- und Gewinnanstieg zu Jahresbeginn.
Analysten hatten wegen hoher Investitionen in die Produktion mit einem deutlichen Gewinnrückgang gerechnet, doch der operative Profit stieg im ersten Quartal um zehn Prozent auf 3,2 Mrd. Euro. Der Umsatz legte um mehr als ein Viertel auf 47 Mrd. Euro zu. Im vergangenen Jahr hatte VW unter dem Strich 15,8 Mrd. Euro verdient.
Von diesem Rekordergebnis profitierten die Mitarbeiter zusätzlich: Die Tarifbeschäftigten der VW AG in den sechs westdeutschen Werken erhielten für 2011 zusätzlich zum Gehalt eine Prämie von jeweils 7500 Euro brutto - fast 90 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Angaben des Betriebsrats war es höchste Erfolgsbeteiligung, die der Konzern seinen tarifgebundenen Mitarbeitern jemals zahlte.
Für Winterkorn machte sich der Einsatz ebenfalls bezahlt: Der Manager strich für 2011 insgesamt 17,4 Mio. Euro ein - nach 9,3 Mio. Euro im Jahr zuvor.