Terracycle-Gründer Tom Szaky: "Unser Ziel ist es, ein Programm für jede Art von nicht recyclingfähigem Müll aufzubauen, in jedem Land der Welt"
Allein in den USA sammeln inzwischen fast 12,5 Millionen Menschen Müll für Terracycle, fast zwei Milliarden Verpackungen wurden bislang verarbeitet. Schulen, Büros und Privatleute schicken Chipstüten, Getränkepackungen, Tuben und andere, nicht recyclingfähige Materialien nach New Jersey. Dort entwickelt ein Team aus Wissenschaftlern und Designern aus dem Müll Prototypen für neue Produkte wie Handtaschen, Ordner, Mülltonnen oder Toilettensitze, die dann von Partnerunternehmen hergestellt werden.
Die kaufen den Abfall von Terracycle als Rohstoff und zahlen eine Lizenzgebühr für die Nutzung des Logos. "Müll bietet niemand anderes an", so Szaky. Und noch etwas ist besonders: Als Anreiz erhalten alle Sammler einen geringen Geldbetrag für die eingeschickten Materialien, den sie spenden können. So kamen in den USA allein im vergangenen Jahr für das Capri-Sun-Programm rund 1 Mio. Dollar zusammen.
Dass Szaky trotzdem Geschäftsmann und Chef von rund 100 Mitarbeitern ist, sieht man ihm nicht auf den ersten Blick an: Mit Kapuzenpulli und Dreitagebart sitzt er am Schreibtisch. Alles erinnert ein bisschen daran, dass er dem College gerade erst entwachsen ist. Seine Firma ist aber längst mehr als ein Studentenprojekt: Über 13 Mio. Dollar Umsatz machte Terracycle im vergangenen Jahr, 2011 sollen es 20 Mio. Dollar werden. Seit 2009 kommt das Unternehmen ohne Risikokapital aus, und im vergangenen Jahr schrieb es erstmals Gewinn. Noch ist der mit 150.000 Dollar zwar bescheiden - 2011 sollen es aber schon 500.000 bis 1 Mio. Dollar sein.
"Heute ist Umweltschutz auch in den USA auf dem Weg zum Mainstream-Phänomen", sagt Tim Canyon von der Gesellschaft für Konsumforschung, die sich von New York aus mit dem US-Markt beschäftigt. Vor allem unter jüngeren Leuten sei es "cool", sich für die Umwelt zu engagieren. Deshalb nähmen die Verbraucher in den USA, der Hochburg des Volunteering, auch den zusätzlichen Aufwand auf sich. Lehrer können ihren Schülern zudem ganz plastisch den Sinn von Recycling erklären.