"Am Wochenende haben sich schon drei europäische Interessenten gemeldet. Ich denke, wir werden 2008 einen Käufer finden", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Georg Bernsau der FTD. Alleine werde das Unternehmen nicht überleben können: "Stand-alone wird nicht möglich sein", sagte Bernsau.
Junghans hatte am Freitag Insolvenz angemeldet. Die Gründe sind vielschichtig: Altlasten wie Pensionsverpflichtungen, eine glücklose Modellpolitik sowie Probleme der übergeordneten deutsch-chinesischen Gesellschaft Egana Goldpfeil mit Sitz in Hongkong brachten das Traditionsunternehmen in Bedrängnis.
Egana Goldpfeil hatte im vorigen Monat für die Tochtergesellschaft Egana Goldpfeil Europe Insolvenz angemeldet. Die Gesellschaft besitzt eine bunte Sammlung bekannter Schmuck-, Uhren- und Lederwarenhersteller. Neben Junghans gehören dazu Dugena, Salamander, Mexx und Pierre Cardin. Das Unternehmen ist zudem bekannt wegen seines Gründers und früheren Aufsichtsratschefs Hans-Jörg Seeberger - eines schillernden Managers, der einst Karatekämpfer in der Nationalmannschaft und Schauspieler war.
Seeberger starb im Herbst 2007. Kurz zuvor war sein Gemischtwarenladen ins Gerede gekommen: Die Hongkonger Antikorruptionsbehörde verdächtigte einen Vorstand des Betrugs bei einem früheren Arbeitgeber. Später kam der Verdacht auf Bilanzbetrug auf. Acht Personen wurden festgenommen.
Junghans hänge organisatorisch von Egana Goldpfeil Hongkong ab, sagte Bernsau. Diese Muttergesellschaft hat bisher keine Insolvenz angemeldet, nur der Europateil. Junghans machte geltend, die Vorgänge bei der Dachgesellschaft im vorigen Sommer hätten die eigene Liquidität verschlechtert. Hinzu komme die flaue Konjunktur.
Daneben spielen hausgemachte Probleme eine Rolle: Pensionsverpflichtungen und langfristige Mietverträge beeinträchtigten die Liquidität, sagte Bernsau. Junghans hatte einst 7000 Mitarbeiter, heute sind es noch 120. Die Pensionskasse ist zwar längst geschlossen. Trotzdem drücken die Auszahlungen an die jetzigen Ruheständler mit 3 Mio. Euro auf die Kasse. Als weiteren Grund nannte Bernsau die "verspätete Umstellung von Massenware auf hochwertige Uhren, auf den Luxusmarkt".
Die Folge ist, dass Junghans seit Jahren rote Zahlen schreibt. 2007 war der Verlust nach den Worten des Insolvenzverwalters ein "hoher einstelliger Millionenbetrag" - bei einem Umsatz von weniger als 50 Mio. Euro. Im Zuge des Insolvenzverfahrens soll Junghans von den Pensionsbelastungen befreit werden. Ein Käufer werde die Firma ohne Verbindlichkeiten übernehmen, sagte Bernsau.