Exklusiv
Der Absturz eines Air-France-Airbus vor zwei Jahren wird voraussichtlich Konsequenzen für die gesamte Branche haben: Die Sicherheitsstandards von Flugzeugen und bei der Pilotenausbildung sollen erhöht werden.
von Gerhard HegmannMünchen
Die Untersuchung des Air-France-Absturzes vor zwei Jahren wird wohl zu neuen Sicherheitsregeln für die gesamte Luftfahrtbranche führen und erhöhte Sicherheitsstandards für Flugzeuge und Piloten nach sich ziehen. Das hat die französische Ermittlungsbehörde BEA in ihrem dritten Untersuchungsbericht empfohlen.
Sie schlägt drei neue Regeln für das Pilotentraining und sieben Änderungen bei der Zulassung und der Technik von Flugzeugen vor. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass diese Empfehlungen als rechtsverbindliche Vorschrift übernommen werden, sagte ein Sprecher der für die Flugsicherheit in Europa verantwortlichen Behörde Easa in Köln auf Anfrage der Financial Times Deutschland. Die Behörde werde "jetzt umgehend Gespräche mit den betroffenen Parteien aufnehmen, um Details zu besprechen". Ein Zeitplan für die Umsetzung könne noch nicht genannt werden.
Todesflug AF 447
Diese Blackbox birgt das Geheimnis
Zu den Vorschlägen zählen die Einführung von Bildrekordern für die Instrumente im Cockpit sowie ein Notfallsender, um Maschinen nach einem Absturz besser orten zu können. Zudem sollten nur Flugzeuge zugelassen werden, die ein Instrument zur Anzeige des Anstellwinkels haben. Darauf könnten die Piloten die Position des Flugzeugs im Verhältnis zur aktuellen Luftströmung ablesen.
Der Zwischenbericht zum Absturz des Air-France-Fluges AF 447 mit 228 Opfern entlastet den Flugzeugbauer Airbus. Vorgeschlagen werden keine Änderungen der Airbus-Technik - empfohlen werden nur mehr Anzeigen. So verdichten sich die Hinweise, dass der Absturz auf mangelndes Training der Piloten für Extremsituationen zurückzuführen ist. Dem widerspricht die Fluglinie Air France und macht auch verwirrende Warnsignale im Cockpit für den Absturz verantwortlich.
Der Unfall hat Diskussionen über Risiken des computergestützten Fliegens ausgelöst. Aus dem Zwischenbericht geht hervor, dass der Co-Pilot auf erste Warnsignale andere Steuerbefehle gab, als laut Lehrbuch erforderlich gewesen wären. So hob er die Nase des Flugzeugs an, anstatt sie zu senken. Das führte zum Strömungsabriss und letztendlich zum unkontrollierten Sturzflug auf die Wasseroberfläche, bei der alle an Bord befindlichen Menschen getötet wurden. Im Oktober findet laut Easa ein Kongress zum Kontrollverlust beim Fliegen statt, bei dem auch der Air-France-Unfall besprochen wird.
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