FTD.de » Unternehmen » Industrie » Deutsche BP erwartet Raffineriesterben

7 Bewertungen  Schrift: AAA

  08.11.2009, 20:57    

Überkapazitäten: Deutsche BP erwartet Raffineriesterben

Exklusiv Hatten Ölkonzerne im vergangenen Jahr die Preise noch getrieben, rechnen Sie nunmehr mit Verlusten. Der Deutschen BP sind die Margen dramatisch eingebrochen.

von Kathrin Werner, Berlin
"Wir schreiben bei den Raffinerien keine Gewinne in diesem Jahr, eher leicht rote Zahlen", sagte Uwe Franke, Chef der deutschen Tochter des britischen Ölkonzerns, der FTD. Das Problem werde vorerst anhalten. "In der nahen Zukunft wird es nicht leicht werden, auskömmliche Renditen zu erzielen."
Die Lage bei BP  wirft ein Schlaglicht auf die angespannte Situation der deutschen Rohölverarbeiter. Die Margen aller Unternehmen sind geschrumpft. Mit BP kündigt nun der erste große Konzern einen Verlust an. In konjunkturellen Hochzeiten wurde den Ölmultis noch vorgeworfen, durch fehlende Raffineriekapazitäten den Preis für Benzin, Diesel und Heizöl in die Höhe zu treiben und den Aufschwung zu bremsen. Heute leiden sie unter Überkapazitäten. Die Nachfrage ist gering, die Tanklager sind voll.
Uwe Franke, BP-Deutschlandchef   Uwe Franke, BP-Deutschlandchef
Wie hoch die Überkapazitäten in Europa genau sind, sei schwer zu schätzen, so Franke. "Bis 2020 oder 2030 rechnen wir mit ungefähr 20 bis 30 Prozent", sagte der BP-Deutschlandchef: "Es werden Raffinerien schließen müssen." BP betreibt Deutschlands zweitgrößtes Raffinerienetz.
Eigenständig führt BP zwar lediglich eine kleinere Anlage in Lingen im Emsland. Unter dem Namen Ruhr Öl, einem Joint Venture mit dem Staatskonzern Petróleos de Venezuela, betreibt BP aber zudem Deutschlands drittgrößte Raffinerie in Gelsenkirchen und hält Anteile unter anderem an der größten Raffinerie Miro in Karlsruhe.
Gründe der Überkapazitäten sind nicht nur die Rezession, sondern auch strukturelle Probleme. Die Nachfrage sinkt dank effizienterer Motoren, alternativer Energien und Sparsamkeit. "Auch die Abwrackprämie hat ihren Teil dazu beigetragen", erläuterte Franke. "Jeder Wechsel des Autos führt dazu, dass weniger verbraucht wird" , sagte er. Vor der Krise nahmen die sprithungrigen USA den Benzinüberschuss ab. Nun wird auch dort gespart. "Es wird immer schwerer, Benzin aus Europa zu exportieren", so Franke. Auch der Wettbewerb steige. "In Indien ging 2008 auch noch die gigantische Reliance-Raffinerie in Betrieb, die ausschließlich auf Export ausgerichtet ist."
Ein Nachteil der Rohölverarbeiter ist, dass die Raffinerien bei sinkender Nachfrage nicht ohne Weiteres die Produktion zurückfahren können. Aus technischen Gründen können sie die Anlagen nur auf 70 bis 80 Prozent zurückfahren, darunter muss ganz abgestellt werden. Weil die Fixkosten nicht gleich stark sinken wie der Ausstoß, schrumpft die Marge.
Der größte deutsche Raffineriebetreiber Shell versucht, zwei der fünf deutschen Standorte zu veräußern. Es liefen Gespräche mit Interessenten für die beiden Anlagen in Norddeutschland, sagte eine Sprecherin. In Branchenkreisen wird jedoch bezweifelt, dass sich ein Käufer findet. "Wenn Shell die zwei Raffinerien verkauft, ist dem Problem der Überkapazität nicht geholfen", sagte Franke. "Das wäre wohl gut für Shell, aber nicht für den Markt." Seine eigenen Raffinerien, so Franke, müssten nicht geschlossen werden. Sie zählten technisch zu den besten.
Die Verluste der Raffinerien könne die Deutsche BP in diesem Jahr mit dem Tankstellengeschäft wettmachen. "Am Ende des Jahres werden wir deshalb auch schwarze Zahlen schreiben", sagte Franke. Er geht aber nicht davon aus, die guten Zeiten von vor der Krise je wieder zu erreichen. Die Margen im Tankstellengeschäft seien zwar wieder gestiegen. Doch auch hier gebe es Überkapazitäten. "An einer Ausfallstraße haben Sie manchmal auf drei Kilometern noch drei oder mehr Tankstellen." BP betreibt hierzulande unter der Marke Aral mit rund 2500 die meisten Tankstellen. Deutschland sei der härteste Markt in Europa.
Deutschland ist ein wichtiger Markt für den Londoner Mutterkonzern. 2008 hatte die Deutsche BP noch 119 Mio. Euro zum Gesamtgewinn von 21,2 Mrd. $ beigesteuert. In den ersten neun Monaten 2009 machte das Raffinerie- und Tankstellengeschäft mehr als ein Siebtel des um Wertschwankungen bei den Lagerbeständen bereinigten Gewinns aus.
06:41:56 Kursinformationen und Charts
Name aktuell % absolut  
BP 579 GBp   -0,43%  -2.5
  • Aus der FTD vom 09.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
FTD-Versicherungsmonitor

Die FTD baut ihre Versicherungsberichterstattung aus. Von Montag bis Freitag erscheint täglich der FTD-Versicherungsmonitor. Er hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt aus verschiedenen Quellen die wichtigsten Informationen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Kostenlos abonnieren
Sie erhalten den FTD-Versicherungsmonitor per Mail um die Mittagszeit. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter hier

  • Versicherungskolumne: Ein Missverständnis

    Die Manager der Assekuranz freuen sich über die neuen Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. Aber sie werden sich über die schwarz-gelbe Regierung noch ziemlich wundern. mehr

  •  
  • blättern
  20.11. Wirtschaft Allianz von VW und Porsche besiegelt
Wirtschaft: Allianz von VW und Porsche besiegelt (00:00:45)

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat am Freitag den Verträgen für den geplanten Zusammenschluss mit Porsche zugestimmt. mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs
 



markets
  Dax 5663,15  [-39.03 -0,68%
  Dow Jones 10318,16  [-14.28 -0,14%
  Nasdaq 2146,04  [-10.78 -0,50%
  Euro Stoxx 50 2833,06  [-27.23 -0,95%

Aktien Fonds Zertifikate Tops + Flops Portfolio Watchlist

Meine FTD.de
Wie finden Sie die Entscheidung zu den EU-Topjobs?

 

Wie finden Sie die Entscheidung zu den EU-Topjobs?

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Businesstalk

Diese Begriffe sollte man als angehender CEO besser kennen. mehr

Businesstalk
FTD-Serie

Hier finden Sie alle Texte, Videos und Bilder zur Serie "Die Spleens der Alphatiere" mehr

Businesstalk
Sudoku

Lösen Sie das Zahlenkniffel mehr

leicht mittel schwer

Sudoku - Lösen Sie das Zahlenkniffel
Sonderbeilagen

Trends und Themen gebündelt mehr

Manufacturing Excellence
Manufacturing Excellence
  •  
  • blättern
Who's who?

Die umfassende FTD-Personendatenbank mehr Testen Sie ihr Wissen!

Who is who?: Wolfgang Reitzle
Welches Amt übt Wolfgang Reitzle aus?
FTD-Mobil

Aktuelle Nachrichten und Börsenkurse rund um die Uhr. mehr FTD-Mobil

Newsletter

Egal ob Eilmeldung oder Wochenrückblick - bei uns erhalten Sie die Nachrichten, die Sie wünschen, per Mail.

Newsletter abonnieren!
FTD-Wirtschaftswunder

Alles über Konjunktur und Economics mehr

FTD-Chefökonom Thomas Fricke
FTD-Abo-Shop

Jetzt online attraktive Preisvorteile und Prämien sichern.Eine zusammengerollte Ausgabe der FTD
Einfach hier klicken!

VERSICHERUNGEN
  •  
  • blättern
HANDEL+DIENSTLEISTER
  •  
  • blättern
INDUSTRIE
  •  
  • blättern
FINANZDIENSTLEISTER
  •  
  • blättern
 
Home | Unternehmen | Finanzen | Börse | Politik | Management+Karriere | IT+Medien | Wissen | Sport | Auto | Lifestyle | zum Seitenanfang

© 1999 - 2009 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Weitere Online-Angebote des Verlagshauses G+J AG + Co KG:
Börse-Online Capital GraumarktInfo.de Immobilien-Kompass Impulse Impulse Gründerzeit meinABO.de stern.de
G+J Glossar
Partner-Angebote