Ein Nachteil der Rohölverarbeiter ist, dass die Raffinerien bei sinkender Nachfrage nicht ohne Weiteres die Produktion zurückfahren können. Aus technischen Gründen können sie die Anlagen nur auf 70 bis 80 Prozent zurückfahren, darunter muss ganz abgestellt werden. Weil die Fixkosten nicht gleich stark sinken wie der Ausstoß, schrumpft die Marge.
Der größte deutsche Raffineriebetreiber Shell versucht, zwei der fünf deutschen Standorte zu veräußern. Es liefen Gespräche mit Interessenten für die beiden Anlagen in Norddeutschland, sagte eine Sprecherin. In Branchenkreisen wird jedoch bezweifelt, dass sich ein Käufer findet. "Wenn Shell die zwei Raffinerien verkauft, ist dem Problem der Überkapazität nicht geholfen", sagte Franke. "Das wäre wohl gut für Shell, aber nicht für den Markt." Seine eigenen Raffinerien, so Franke, müssten nicht geschlossen werden. Sie zählten technisch zu den besten.
Die Verluste der Raffinerien könne die Deutsche BP in diesem Jahr mit dem Tankstellengeschäft wettmachen. "Am Ende des Jahres werden wir deshalb auch schwarze Zahlen schreiben", sagte Franke. Er geht aber nicht davon aus, die guten Zeiten von vor der Krise je wieder zu erreichen. Die Margen im Tankstellengeschäft seien zwar wieder gestiegen. Doch auch hier gebe es Überkapazitäten. "An einer Ausfallstraße haben Sie manchmal auf drei Kilometern noch drei oder mehr Tankstellen." BP betreibt hierzulande unter der Marke Aral mit rund 2500 die meisten Tankstellen. Deutschland sei der härteste Markt in Europa.
Deutschland ist ein wichtiger Markt für den Londoner Mutterkonzern. 2008 hatte die Deutsche BP noch 119 Mio. Euro zum Gesamtgewinn von 21,2 Mrd. $ beigesteuert. In den ersten neun Monaten 2009 machte das Raffinerie- und Tankstellengeschäft mehr als ein Siebtel des um Wertschwankungen bei den Lagerbeständen bereinigten Gewinns aus.