Es ist erst gut zwei Wochen her, da erregte sich die nordamerikanische Öffentlichkeit lautstark über ein paar Trainingsanzüge. Die Ausrüstung des US-Teams für Olympia war, so stellte sich heraus, nicht aus heimischer Produktion, sondern chinesischen Ursprungs. Spitzenpolitiker forderten prompt, die Textilien der vermeintlichen "Schande" öffentlich zu verbrennen.
Nun allerdings geht es nicht mehr nur um ein paar Trikots, sondern sogar um eine 15-Mrd.-Dollar-Akquise, China kauft den Rohstoffkonzern Nexen . Das Unternehmen hat zwar seinen Sitz in Kanada, aber auch Zugang zu Öl- und Gasvorkommen in den USA. Das dürfte keinen Amerikaner kaltlassen - zumal in einem Präsidentschaftswahljahr. Da könnten so manche Politiker in den USA und auch in Kanada schnell geneigt sein, mit der Angst vor den Chinesen um nationalistische Stimmen zu werben - und Druck auszuüben, damit der Deal nicht zustande kommt.
Dabei gibt es - jenseits der sachlich berechtigten Kartellprüfung - wenig Berechtigung, den Übernahmeversuch aus China zu blockieren. Unternehmen im Westen tun sich seit der Finanzkrise schwer, neue Investoren zu finden. Die meisten europäischen Staaten werden durch die Euro-Krise belastet, die dortigen Unternehmen halten da lieber ihr Geld zusammen. Deutschland bildet zwar noch eine Ausnahme, ist für die Rolle des globalen Investors jedoch zu klein. Bleiben also noch die Golfstaaten - und eben das Schwellenland China.
Investitionen aus solchen Staaten mögen zwar politisch umstritten sein, aber sie sind nicht schlechter als europäische. Neue, finanzstarke Anteilseigner versorgen schwächelnde Unternehmen - wie Nexen - wieder mit dem nötigen Kapital, damit sie wachsen können. Zudem sind gerade die Chinesen nicht an kurzfristigen Engagements und Renditen interessiert, sondern planen langfristig. Dass sie das nicht uneigennützig tun, kann ihnen niemand vorwerfen. China braucht für sein Wachstum - auf das gerade Handelsnationen wie die USA oder Deutschland setzen - den Zugriff auf Energiereserven und Rohstoffe.
Wer Zugang zu anderen Märkten will, kann sich schwerlich gegen Investitionen von Ausländern im eigenen Land wehren. Das gilt für die Amerikaner und Europäer ebenso wie für die Chinesen.