Es sind diese Zahl von 1,5 Mrd. Euro und Wörter wie "Steuertrick" oder auch "Schlupfloch" - und schon werden die populistischen Reflexe geweckt, selbst bei denen, die es besser wissen sollten: Für FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle ist jedenfalls die steueroptimierte Komplettübernahme der Porsche AG durch den Volkswagen -Konzern eine Steilvorlage. Da kann dann launig drauflosschwadroniert werden von einer angeblichen Finanzamtsnachsichtigkeit, von der brave Handwerker nur träumen könnten. Als ob die Basis, auf der die Stuttgarter Finanzbeamten den Erwerb der Porsche-Anteile beurteilen, nicht ein Bundesgesetz wäre. Also eines, das Berliner Politiker wie Brüderle ändern können.
Aber es steht eben diese Milliardensumme im Raum, die dem Fiskus durch einen formaljuristischen "Trick" - da ist er wieder, der böse Begriff - vorenthalten worden sein soll. Ob es denn am Ende wirklich 1,5 Mrd. Euro sind oder etwas weniger, ist dabei gar nicht so entscheidend. Auf jeden Fall wären es mehr gewesen als die 100 Mio. Euro, die jetzt durch die beschleunigte Integration von Porsche tatsächlich an Steuern anfallen werden. Es ist diese große Diskrepanz zwischen vermutetem Soll und angeblich schlankgetrickstem Ist, die sich hervorragend für billigen Populismus eignet.
Tatsächlich ist das Vorgehen der Volkswagen-Führung nicht nur legal, es ist auch richtig und sogar geboten. Gerade das Umwandlungssteuergesetz, das den Erwerb des Porsche-Sportwagengeschäfts zu einer steuerlich begünstigten Umstrukturierung macht, ist auch für Situationen wie bei Porsche und VW gedacht.
Denn niemand sollte Scheingewinne besteuern wollen, die nur deshalb entstehen, weil im Zuge einer Umorganisation die stillen Reserven aufgedeckt werden müssten. Das ginge an die Substanz und würde im Fall der VW-Porsche-Hochzeit sogar die großen Synergiegewinne auffressen. Und niemand wird im Ernst bestreiten wollen, dass es bei VW und Porsche - bei all der schon bestehenden Verschachtelung und Zusammenarbeit - um Umstrukturierung geht. Und nicht nur um bloßen Zukauf.
Sicher, VW hätte, wie zunächst geplant, noch bis Mitte 2014 mit der vollständigen Integration warten können und hätte dann auch kaum Steuern zahlen müssen. Das hätte aber die Hängepartie der beiden Unternehmen unerträglich verlängert. Schon viel zu lange wird die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen durch die Angst vor juristischen Fallstricken behindert. Ein enormer Bürokratieaufwand ist die Folge. Wäre die Fortsetzung dieses Zustands also die bessere Alternative? Nur um dann als Gemeinwesen in zwei Jahren ähnlich wenig Steuern von einem deutlich schwächeren integrierten Konzern zu bekommen? Bestimmt nicht.
Wenn gültiges Recht zur Absicherung der Zukunft einer erfolgreichen Firma angewendet wird, ist dies völlig legal und kein "Trick" wie hier populistisch in der Überschrift steht. Im übrigen können viele der Kritiker hier von einem TOP- Unterbehmer was Lernen: intelligente Umstrukturierung führt zu besseren Renditen. Gerade die minderbegabten Politschwätzer wie Brüderle, Schäuble und Co., die immer noch mehr Steuern abzocken wollen, sollten einfach mal daran denken, daß gerade sie von einer gesunden, nicht von zu hohen Steuerlasten gedrückten Wirtschaft profitieren !