Die Schwaben rennen, aber die Konkurrenz ist flotter und stärker. Was soll Daimler eigentlich noch tun, um zu glänzen? Der Gewinn ist top, die Aussichten auch - aber die Aktie sackt ans DAX-Ende. Analysten meinen: weniger brav sein.
von Annette Berger
Sie lieferten ganz erwartungsgemäß einen Gewinnsprung im ersten Quartal ab, aber Börsianer rümpfen die Nase und verkaufen die Aktie. Bis zum Freitagmittag rutschte das Daimler-Papier um 1,8 Prozent ab und war damit das Schlusslicht im DAX. Zwischenzeitlich war es um 2,5 Prozent nach unten gegangen.
Was war passiert? Miese Zahlen, verschlechterter Ausblick? Im Gegenteil: Gewinn, Umsatz und Verkäufe kletterten zwischen Januar und März, die Aussichten für dieses Jahr sind weiter glänzend.
Trotz der Millionenbelastungen wegen der Naturkatastrophe in Japan steigerte das Stuttgarter Auto- und Lkw-Konzern seinen Gewinn um nahezu das Doppelte. Unter dem Strich standen 1,2 Mrd. Euro. "Wir haben im ersten Quartal ein hervorragendes Ergebnis erzielt", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Freitag. "Wir liegen damit deutlich über Plan und bestätigen den positiven Ausblick für das Geschäftsjahr 2011."
Die Zahlen seien sehr gut gewesen, attestierte Equinet-Analyst Tim Schuldt. "Das Ergebnis entspricht in etwa den Erwartungen", sagte auch Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler FTD.de. "Aber VW hatte vor zwei Tagen wesentlich bessere Zahlen geliefert." Auch die Rivalen in der Oberklasse - BMW und Audi - zeigten sich zuletzt deutlich dynamischer als die Schwaben.
Der deutliche Zuwachs des Premium-Herstellers bei der operativen Ertragskraft auf 8,2 Prozent im ersten Quartal verfing ebenfalls nicht: Der Massenhersteller Volkswagen ist Daimler hier mit einer Marge von 7,8 Prozent dicht auf den Fersen.
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Mercedes Concept A - geduckt zum Erfolg
Fazit der Börsenreaktion: Daimler ist gut, aber die Konkurrenz ist besser und vor allem eher mal für eine positive Überraschung gut. "Im ersten Quartal hatte VW eine hohe Dynamik, diese fehlt derzeit bei Daimler", sagte Pieper. Die Schwaben liefen mit dem Markt mit, schafften es aber nicht, die Erwartungen zu übertreffen wie die Konkurrenz.
"Wir sind lauwarm begeistert", meinte auch Albrecht Denninghoff, Analyst bei Silvia Quandt Research, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Daimler habe lediglich "das bekannte Szenario bestätigt", nachdem VW und der schwedische Lkw-Konkurrent Volvo hohe Erwartungen geschürt hätten. Credit Suisse-Analyst Arndt Ellinghorst urteilte sogar: "Im Vergleich zum Wettbewerb ist Daimler weiterhin schwach unterwegs."
Hinzu kommen bei den Stuttgartern Sorgen wegen der hohen Kosten der jüngsten Naturkatastrophen - vor allem der in Japan, wo ein Erdbeben und ein Tsunami am 11. März Teile des Landes und der Industrie verwüstet hatten. Produktionsstopps belasteten Daimler, dessen Tochter Mitsubishi-Fuso dort Lkw baut, allein im März mit 78 Mio. Euro. In den nächsten Monaten rechnet das Management mit weiteren Aufwendungen von bis zu 100 Mio. Euro.
Konzernchef Zetsche: Daimler wird als solide, aber wenig überrasched bewertet
Mit den Schätzungen zu den voraussichtlichen Kosten durch die Erdbebenkatastrophe ist Daimler der erste deutsche Autokonzern, der hierüber eine Prognose wagt. Inwieweit es andere trifft, ist noch unklar.
Volkswagen indes hatte in dieser Woche bekannt gegeben, nicht nennenswert zu leiden. Die Wolfsburger sind auch viel weniger von Zulieferteilen aus dem asiatischen Land abhängig als beispielsweise die stark gebeutelte amerikanische Konkurrenz wie GM oder Ford, die wegen fehlender Komponenten schon teilweise die Bänder anhalten mussten.
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