FTD.de » Unternehmen » Industrie » Versorgern winken bei Machtwechsel Zusatzgewinne

Merken   Drucken   04.09.2005, 20:16 Schriftgröße: AAA

Versorgern winken bei Machtwechsel Zusatzgewinne  

Die Manager von Energiekonzernen, Solarunternehmen oder Windkraftparks werden am Abend des 18. September gleichermaßen gebannt den Wahlausgang verfolgen. Das ist auch kein Wunder, denn an diesem Tag wird sich sehr unmittelbar die Zukunft der Energiewirtschaft vorhersagen lassen. von Michael Gassmann, Düsseldorf
Montagearbeiter verlegen eine neue Stromleitung zwischen ...   Montagearbeiter verlegen eine neue Stromleitung zwischen Hochspannungsmasten.
Es wird Gewinner und Verlierer geben. Kommt es beispielsweise zur Bildung einer schwarz-gelben Koalition, dann sind längere Kernkraftwerkslaufzeiten, Einschnitte bei der Förderung erneuerbarer Energien und der Ausstieg aus der Steinkohle vorgezeichnet.
Den großen Verbundkonzernen kommt eine Revision des rot-grünen Ausstiegsbeschlusses aus dem Jahr 2000 gelegen. "Eine Verlängerung der Kernkraftwerks-Laufzeiten würde Eon und RWE erhebliche Extra-Gewinne bringen", analysiert Simon Flowers von Merrill Lynch. Die durchweg voll abgeschriebenen Meiler würden noch jahrelang Einnahmen aus dem Stromverkauf erzielen, während die Konzerne die eigentlich schon eingeplanten Investitionen in Ersatzkraftwerke hinausschieben könnten. "Die Anlagen produzieren am goldenen Ende", so die Lobby der industriellen Großverbraucher, VIK. Dies müsse "selbstverständlich zu Preissenkungen führen", griff VIK-Chef Alfred Richmann eine Ankündigung von CDU-Chefin Angela Merkel auf.
Verteilungskampf ist vorprogrammiert
Der nächste Verteilungskampf ist also vorgezeichnet. Die Stromkonzerne lehnen die Forderungen kategorisch ab. "Politische Preise gibt es in liberalisierten Märkten nicht", stellt RWE-Vorstandschef Harry Roels fest. Eon-Chef Wulf Bernotat bestreitet, dass es zu außerplanmäßigen Profiten kommen würde. Längere Laufzeiten verschafften Eon nur die normale Rendite längst vorgenommener Investitionen. Die Verbraucherlobby pocht wegen der Ablehnung schon vor der Wahl auf "eine klare politische Regelung", also Bedingungen für eine Laufzeitverlängerung.
Statt der vereinbarten Restlaufzeit von 32 Jahren rechnet die Branche bei einem Wahlsieg von CDU und FDP mit 40 Jahren. Auch eine große Koalition würde sich mit dem Argument des Klimaschutzes darauf wohl festlegen, so Spekulationen. Bei einer um acht Jahre verlängerten Betriebsdauer könnte Eon einer Studie von Sal. Oppenheim zufolge einen zusätzlichen Cashflow von 4,2 Mrd. Euro einstreichen. Eon verfügt über den größten Park an Kernkraftwerken. RWE profitierte danach mit 2,8 Mrd. Euro. Auch die kleineren Verbundunternehmen EnBW und Vattenfall Europe könnten sich zu den Gewinnern zählen. Bleibt es beim geltenden Ausstiegsbeschluss, muss RWE dagegen schon in der kommenden Legislaturperiode 5 Mrd. Euro in neue Kohle- oder Gaskraftwerke stecken. 2008 würde mit dem RWE-Meiler Biblis das erste Großkraftwerk vom Netz gehen. Eon könnte den Ausstieg bis 2012 strecken. Ein Drittel des in Deutschland erzeugten Stroms stammt noch 17 Reaktoren.
Kompromiss errungen
Firmen der Wind- oder Solarenergie verlieren am 18. September nach allen Prognosen mit der Partei der Grünen ihren wichtigsten Fürsprecher in der Regierung. Eine abrupte Einstellung der Förderung, die in diesem Jahr mit 3 Mrd. Euro für die Windkraft beispielsweise die Kohlesubventionen übersteigt, droht jedoch kaum. Eine schwarz-gelbe Regierung sei 1991 immerhin Geburtshelfer der Förderpolitik gewesen, tröstet sich der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Peter Ahmels. Die früher als Randerscheinung bespöttelte Branche hat inzwischen eine bedeutende Größe erreicht. Erneuerbare Energien tragen elf Prozent zur Stromerzeugung bei - davon die Hälfte aus Windkraft - und bieten Zehntausende von Jobs.
Die komfortablen Förderzeiträume bis zu 20 Jahre und die Höhe der Subventionen werden aber wohl eingeschränkt. "Die zu erzielenden Überrenditen in Verbindung mit der fehlenden Wirtschaftlichkeit der Fotovoltaik in Deutschland lassen bei einem Regierungswechsel eine deutlich Reduktion des Förderniveaus erwarten", sagt Burkhard Sawazki, Energie-Analyst der WestLB. Eine Welle von Börsengängen deutscher Solarfirmen wie Solarworld, Centrotec oder Solon belegt, dass Investoren dennoch optimistisch bleiben.
Unberührt vom Wahlausgang bleibt der Einstieg in die Regulierung der Strom- und Gasnetze. Parteien und Unternehmen hatten im Frühsommer nach zähem Gerangel einen Kompromiss erzielt. Die Erwartungen sind hoch. Der Chef der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, soll die Netzgebühren drücken und einen fairen Wettbewerb in der Energiebranche in Gang bringen. RWE-Chef Roels gibt sich gelassen: "Wir sind kein Spekulant, der kurzfristig von höheren Strompreisen profitiert."
  • Aus der FTD vom 05.09.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  31.05. Wirtschaft Spendierhosen bei VW sitzen enger
Wirtschaft: Spendierhosen bei VW sitzen enger (00:01:36)

Der Tarifabschluss für die Angestellten des Automobilkonzerns entspricht weitgehend dem Flächenvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Laut IG-Metall ist er aber "einen Schnaps besser". mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6264,38  [-16.42 -0,26%
  Dow Jones 12393,45  [-26.41 -0,21%
  Nasdaq Composite 2827,34  [-10.02 -0,35%
  Euro Stoxx 50 2118,94  [2.76 +0,13%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote