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Merken   Drucken   22.11.2012, 20:23 Schriftgröße: AAA

Verspätung bei Siemens ICE 3 M: Der Zug kommt nicht

Diesmal verspätet sich nicht die Deutsche Bahn, sondern Siemens. Dass sich die Lieferung der neuen ICE 3 M immer weiter verzögert, ist keine Panne, sondern ein Desaster. Vor allem, weil derlei Probleme bei Siemens zunehmend System zu haben scheinen.
© Bild: 2012 Bloomberg/Michele Tantussi
Leitartikel Diesmal verspätet sich nicht die Deutsche Bahn, sondern Siemens. Dass sich die Lieferung der neuen ICE 3 M immer weiter verzögert, ist keine Panne, sondern ein Desaster. Vor allem, weil derlei Probleme bei Siemens zunehmend System zu haben scheinen.

Gewinneinbruch, Sparprogramm, Solarausstieg: An schlechte Nachrichten aus dem Hause Siemens  hat es in den vergangenen Monaten nicht gemangelt. Was ist dagegen schon die verzögerte Auslieferung von acht ICE-Zügen? Eine Panne? Eine Peinlichkeit? Nein, es ist ein Desaster, das schon an das Chaos rund um den Berliner Großflughafen erinnert (wo Siemens für die Brandschutztechnik zuständig ist, das nur am Rande).

Vier Jahre ist es her, dass die Deutsche Bahn 16 ICE-Züge bestellt hat, um ihre dringend ergänzungsbedürftige Flotte auszubauen. Schon seit einem Jahr ist die Auslieferung der ersten Züge überfällig. Und was macht Siemens? Teilt der Bahn gerade mal zwei Wochen vor dem geplanten Start der ersten acht Züge zur Wintersaison mit, dass dies - wegen Softwareproblemen - wieder nichts wird. Neuer Liefertermin: Fehlanzeige.

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Von den finanziellen Konsequenzen, die mit Sicherheit folgen werden, einmal ganz abgesehen: Wie kann es sein, dass derart schwerwiegende Probleme erst so kurzfristig erkannt und kommuniziert werden? Entweder der erst seit zwei Monaten amtierende Spartenchef wusste nichts davon. Dann hat er seine Leute nicht im Griff. Oder aber er setzte auf das Prinzip Hoffnung und dass es schon noch irgendwie klappen wird. Das wäre unverantwortlich. So geht man nicht mit einem seiner wichtigsten Kunden um.

Das Bestürzende ist, dass derlei Probleme bei Siemens zunehmend System zu haben scheinen. So lief es schon bei den Plattformen zum Netzanschluss von Offshore-Windanlagen in der Nordsee. Auch bei diesen Riesenprojekten drang viel zu spät von der Projektleiterebene bis zur Konzernspitze durch, dass man die Komplexität völlig unterschätzt hat und die Produktion der Plattformen viel mehr Zeit und Geld kostet als geplant. Auch hier hat Siemens-Chef Peter Löscher den zuständigen Spartenchef ausgetauscht. Bis heute ist keine der geplanten Anlagen am Netz.

Beide Misserfolge fallen auch auf Löscher zurück. Probleme mit Großprojekten hat es bei Siemens immer gegeben - doch Löscher hat sich auf die Fahnen geschrieben, Siemens diesen Schlendrian auszutreiben. Er hat sowohl die Energiewende zu einem Kernthema gemacht als auch die ICE-Geschäfte mit der Bahn federführend verhandelt. Geliefert hat er bisher nicht.

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  • Aus der FTD vom 23.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 24.11.2012 15:12:21 Uhr   ZweiZeiler: Logische Konsequenz

    Das kommt davon, wenn man seine erfahrensten Ingenieure schlecht bezahlt, unter immer schlechteren Bedingungen arbeiten lässt, einen Großteil entlässt (in immer neuen Entlassungswellen), wenn man an allen Ecken und Enden spart, koste es was es wolle, und die Qualität vernachlässigt, wenn man (seit von Pierer) Juristen und Wirtschaftler entscheiden lässt, die gar nicht in der Lage sind, zu verstehen, was ihre Ingenieure entwickeln.

  • 23.11.2012 21:31:54 Uhr   Lüko Willms: Warum liegt dann der Bau der Velaros für Eur...
  • 23.11.2012 16:33:56 Uhr   R. Gerthe: @ Kahnt
  • 23.11.2012 12:46:21 Uhr   Kahnt: Das ist sicher kein "Schlendrian".
  • 23.11.2012 09:56:40 Uhr   lbgt: Wissenschaftlergrab
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