Dampfende Schornsteine der BASF in Ludwigshafen
Von Mai auf Juni stiegen die Umsätze auch dank überdurchschnittlich starker Großaufträge saisonbereinigt um 2,4 Prozent, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Bereits im Mai hatten die Firmen einen Anstieg von 2,3 Prozent verbucht. Vor allem die Binnennachfrage zog an. Aus dem Inland verzeichneten die Firmen ein Auftragsplus von vier Prozent, aus dem Ausland kamen nur 0,8 Prozent mehr Bestellungen. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement sprach von einem positiven Signal: "Die Aufhellung der Geschäftsklimaindikatoren für die Industrie spricht ebenfalls für einen Aufschwung."
Der Auftragsanstieg kam für Beobachter überraschend. Volkswirte hatten im Schnitt nur einen Zuwachs um 0,4 Prozent erwartet. Im gesamten zweiten Quartal erhöhte sich das Auftragsvolumen um 0,8 Prozent im Quartalsvergleich. Die Ökonomen gehen nun davon aus, dass die Wirtschaft nach dem Hänger vom Frühjahr wieder auf Wachstumskurs eingeschwenkt ist.
Inländische Investitionstätigkeit nimmt zu
War die bisherige Wirtschaftserholung allein dem Export geschuldet, wächst zudem die Hoffnung, dass der Funke nun auf die Binnenwirtschaft überspringt. "Es scheint so zu sein, dass sich die inländische Investitionstätigkeit endlich belebt", sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg.
Die Investitionsgüterhersteller erhielten aus dem Inland 8,2 Prozent mehr Aufträge als im Mai, insgesamt erhöhte sich die Nachfrage hier um 4,2 Prozent. Die Nachfrage nach Konsumgütern stieg im Inland zum neunten Mal in Folge und zwar um 1,3 Prozent. Die Auslandsnachfrage sank hier minimal. Die Produzenten von Vorleistungsgütern verbuchten insgesamt ein Auftragsplus von 0,7 Prozent.
Trotz der zuletzt guten Wirtschaftsdaten gehen die meisten Ökonomen aber davon aus, dass die Wirtschaft im Frühjahr so gut wie nicht gewachsen ist. "Nach der Konjunkturdelle im zweiten Quartal wird sich die Erholung nun wieder fortsetzen", sagte aber Niklasch, der für das dritte Quartal wieder einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,6 bis 0,7 Prozent für möglich hält.