Klaus Volkert, Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrates der Volkswagen AG
Dabei spielen die Personalkosten eine zentrale Rolle. Sie sollen bis 2011 um 30 Prozent sinken. Volkert hatte sich gegenüber Personalvorstand Volker Hartz stets kompromissbereit gezeigt - zuletzt bei den Verhandlungen für den neuen Haustarifvertrag im Herbst vergangenen Jahres. Er war mit dem Slogan "Jobs statt Mäuse" in die Gespräche gegangen und damit Hartz' Forderungen nach Lohnverzicht für sichere Arbeitsplätze entgegengekommen. Die IG-Metall wollte jedoch beides durchsetzen: höhere Löhne und sichere Jobs.
Die jetzt erhobenen Vorwürfe gegen Volkert, er habe in die eigene Tasche gewirtschaftet, erinnern an den Skandal bei DaimlerChrysler: Dort wird gegen ein gutes Dutzend Manager der Mercedes-Vertriebsorganisation ermittelt, die Autos auf eigene Rechnung verkauft haben sollen.
Mehr als nur eine peinliche Personalie
Für
VW jedoch ist der Abgang Volkerts nicht nur eine peinliche Personalie, sondern erschwert auch die Verhandlungen um weitere Kostensenkungen. Derzeit versucht der Konzern, mit einem neuen Schichtmodell im nur zu 70 Prozent ausgelasteten Werk in Wolfsburg Nachtzuschläge zu sparen. Bisher scheiterte dieser Versuch am Widerstand des Betriebsrats. VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte noch vor zwei Wochen gehofft, eine Einigung könne Ende Juni oder Anfang Juli zustande kommen. Denn die notwendigen Sparziele seien noch nicht erreicht: "Eine Milliarde müssen wird noch irgendwo finden", sagte Pischetsrieder. Mit dem Abgang Volkerts dürften sich die Verhandlungen, mit deren Ende in den nächsten Wochen gerechnet wird, weiter erschweren.
Denn Volkerts Nachfolger Bernd Osterloh gilt als deutlich hartnäckiger gegenüber dem Management. Im Vorfeld der Tarifverhandlungen im vergangenen Jahr ließ Osterloh bei einer Betriebsversammlung T-Shirts mit der ironisch gemeinten Aufschrift "Wir sind schuld" verteilen - in Anspielung auf die schlechte Ertragslage des Unternehmens. Dafür wird jedoch neben der mangelnden Währungsabsicherung des Konzerns auch eine unglückliche Modellpolitik verantwortlich gemacht. Hinter den Kulissen soll es zum Krach zwischen Volkert und Osterloh gekommen sein.
"Für VW ist die Ernennung eines streitlustigen Betriebsrats wie Osterloh sicher kein gutes Zeichen", sagte am Donnerstag ein Analyst. Doch gerade die Nähe zur Unternehmensspitze hatte Volkert oftmals Kritik eingetragen. So ließ sich das ehrenamtliche IG-Metall-Vorstandsmitglied zum 24-Stunden-Rennen nach Le Mans einladen. Als Fotos von der Veranstaltung in der Presse auftauchten, kam Volkert in Erklärungsnot. Doch verglichen mit den jetzt erhobenen Vorwürfen war dies nur eine Petitesse.