Samuelsson hat das Unternehmen zuletzt nicht nur personell auf unlautere Geschäftsmethoden hin durchpflügt, er hat es auch operativ umgekrempelt. Und das mit großem Erfolg: Dank der Einführung einer flexiblen Kostenstruktur und Investitionen in Schwellenländern steht MAN - den Umständen entsprechend - nun gut da.
Die Märkte freilich reagierten aus einem anderem Grund auf den Rücktritt: Bei jeder Bewegung in der Nutzfahrzeugbranche schießen Spekulationen ins Kraut, ob es nun zu einer Fusion von MAN mit dem Konkurrenten Scania unter dem Dach von Volkswagen kommt. Die Börse reagierte positiv, in der Annahme, mit Samuelsson sei nun das größte Hindernis für einen Zusammenschluss beseitigt - ein vorschnelles Urteil.
Zwar ist es richtig, dass Samuelsson mit dem Versuch, seinen ehemaligen Arbeitgeber Scania zu übernehmen, gescheitert ist. Der Hauptkonflikt spielte sich aber zwischen ihm und Scania-Chef Leif Östling ab, der in Kürze ohnehin in Rente geht. Samuelsson selbst war von dem industriellen Sinn einer Fusion stets überzeugt und kennt sich bestens in beiden Unternehmen aus. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Streit mit Scania hätte beigelegt und Samuelsson Chef der neuen Lkw-Sparte von
VW hätte werden können.
Selbst wenn Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der starke Mann in Wolfsburg, persönlich nicht mehr hinter dem MAN-Chef stand - aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist Samuelssons Rücktritt auch für den Großaktionär VW ein Verlust.