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Den Vorteil sieht auch der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen. Mitte Januar haben die Süddeutschen ein eigenes Montagewerk für Baumaschinenachsen im Vorort Nanekarwadi eröffnet. Nach jahrelangen Minderheitsbeteiligungen an indischen Firmen ist ZF India die erste eigenständige Tochterfirma der Deutschen in Indien. "Wir haben intern Chennai, Delhi und Pune als Standort verglichen. Ergebnis: Pune ist näher an unseren Kunden, die logistische Anbindung besser und das Angebot für Deutsche vielfältiger. Hinzu kommt durch die Höhenlage ein angenehmeres Klima", listet Landeschef Piyush Munot die Standortvorteile auf.
Im fernen Delhi schaut man zumindest mit einigem Respekt auf den "Big Bang Boomtown". "Es ist eine bemerkenswerte Eigenschaft der Stadt, dass zwar selten Trends in ihr geboren werden, sie diese jedoch zum Erfolg führt", preist die einflussreichste Zeitung Indiens, die "Economic Times".
Selbstläufer sind Existenzgründungen in Indien allerdings nie. Auch nicht in Pune. "Eine schlechte Schienenanbindung, der Provinzflughafen, verstopfte Straßen und ein völlig unterentwickelter Nahverkehr", zählt KSB-Manager Spiegel auf. "Wir müssen eine eigene Busflotte betreiben, damit unsere Arbeiter morgens zum Werk und abends nach Hause kommen."
Verkehrsprobleme sind nicht das einzige Problem. Resigniert zeigt er auf die riesigen Dieselgeneratoren hinter den KSB-Werkhallen: "Einmal pro Woche dreht die Stadt den Industriebetrieben den Strom ab - es mangelt an Kraftwerken." Daran habe sich in den neun Jahren, die er in der Stadt ist, nichts geändert.
Zudem steigen auch in Pune die Preise für Land, Arbeitskräfte und Lebenshaltung rasant. "Im Vergleich zu Megametropolen wie Mumbai, Delhi oder Kalkutta sind die Lebenshaltungskosten noch auf einem vernünftigen Niveau", sagt Christian Sonders, Finanzchef von ZF India. Doch wie lange noch? "Sollten die Preise aus dem Ruder geraten, können Firmen in kleinere Städte mit niedrigeren Kosten abwandern, da die Wettbewerbsfähigkeit in Indien entscheidend ist."
Doch die Aufbruchstimmung macht vieles wett. Pune sei längst auf dem Weg zu einer globalen Metropole, so Sonders. Mindestens auf Augenhöhe mit Bangalore oder Hyderabad. Selbst wenn die südindische IT-Metropole Bangalore eher ein warnendes Beispiel sein dürfte: "Manche Mängel werden auch in Pune nicht rasch genug abgestellt. Etwa bei der Stromversorgung oder dem innerstädtischen Verkehr. Für Pune besteht daher die Gefahr, am eigenen Erfolg zu ersticken: überfordert, mit dem Wachstum Schritt zu halten", sagt der ZF-Manager. Bangalore, so sind inzwischen auch viele Inder überzeugt, sei an dieser Aufgabe nahezu gescheitert.
Eine Alternative zum Wachstum, zum Aufstieg zu einem globalen Wirtschaftsstandort mit direkten Flugverbindungen in alle Zentren dieser Welt bleibe Pune laut Sonders nicht. Eine direkte Verbindung nach Frankfurt bietet die Lufthansa immerhin schon seit zwei Jahren an. Auch wenn Bundespräsident Köhler am Donnerstag mit der Bundeswehr reiste.