Der Verkauf des Autovermieters Europcar bereitet Volkswagen Probleme.
Konkurrenten wie
Sixt oder Budget schlossen gegenüber der FTD eine Übernahme aus.
VW -Insider halten es nun gar für möglich, dass Europcar doch im Konzern bleibt.
Als mögliche Käufer bleiben nach der Absage von Sixt und Budget praktisch nur Finanzinvestoren übrig. Private Kapitalgesellschaften hatten jüngst dem US-Autobauer
Ford die Vermiettochter Hertz für insgesamt 15 Mrd. $ abgekauft. Doch im Gegensatz zum global operierenden Vermieter Hertz ist Europcar nur in Europa präsent. Es fehlt das für Vermieter hoch profitable Geschäft in Nordamerika, dem größten Markt für Mietwagen. "Das macht Europcar zu einem wenig attraktiven Investment, für einen Autovermieter aber sicher auch für branchenfremde Investoren", sagte Michael Gehricke, Vorstandschef des Autovermieters Budget, der FTD.
Zudem sei die Rendite im Vermietgeschäft mit fünf bis sechs Prozent eher bescheiden. Und sie gerate in den nächsten Monaten weiter unter Druck: "Die Autohersteller nutzen die Vermieter als Ventil für ihre Überproduktion und stellen die Autos fast kostenlos zur Verfügung. Das wird sich voraussichtlich bald ändern", so Gehricke. Alle großen Hersteller hätten beteuert, das unprofitable Geschäft mit den Vermietern einzustellen. Müssen die Autos zu Marktpreisen beschafft und wieder verkauft werden, dürften die Kosten für die Vermieter dramatisch steigen.
VW-intern wächst Widerstand gegen Europcar-Verkauf
Außerdem wächst nach FTD-Informationen auch VW-intern der Widerstand gegen einen Verkauf von Europcar. Der Aufsichtsrat hatte im September den Vorstand beauftragt, einen Verkauf, den Börsengang oder den Ausbau der Töchter Gedas und Europcar zu prüfen. Während bei Gedas alles auf einen Verkauf hinauslaufe, so ein VW-Insider, sei dies bei Europcar zweifelhaft. Ein VW-Sprecher wollte dies nicht kommentieren.
Branchenkenner wie Budget-Chef Gehricke verstehen sowieso nicht, warum VW sich von Europcar trennen will: "Ein Konzern wie VW mit seinen verschiedenen Marken, dem Leasinggeschäft und dem Vertriebsnetz hat doch den ganzen Baukasten in der Hand, um aus Europcar einen starken Player zu machen."
Auch Sixt, Nummer eins der Branche in Deutschland, hat kein Interesse an einem Kauf von Europcar, der Nummer zwei in Deutschland. Sixt verfolge das Ziel des Wachstums aus eigener Kraft, teilte der Konzern mit.
Sixt sieht Neuordnung gelassen
Die Neuordnung der Autovermietbranche sieht Vorstandschef Erich Sixt gelassen: "Ich glaube, dass diese Entwicklung gut ist für Sixt. Sie schafft mehr Transparenz und fairen Wettbewerb im Markt", sagte Sixt der FTD. "Die Unabhängigkeit von Hertz oder auch Europcar von Automobilkonzernen wird außerdem dazu führen, dass es keine Quersubventionierung mehr geben wird."
Sixt sieht seine Herstellerunabhängigkeit beim Einkauf als wesentlichen Vorteil an. Die Überkapazitäten einiger Hersteller verhalfen jedoch auch ihm zu günstigen Einkaufskonditionen. Dabei ist nicht allein der Einkaufspreis, sondern auch der Rücknahmepreis durch die Hersteller für die Kalkulation entscheidend. Sixt schließt für über 95 Prozent der Fahrzeuge feste Rückkaufbedingungen ab.
Dabei kaufen die Hersteller die Autos häufig zu dem Preis zurück, den der Vermieter gezahlt hat. Doch diese paradiesischen Zustände nähern sich dem Ende: "Auf unsere Branche warten in den nächsten 24 Monaten große Herausforderungen", so Budget-Chef Gehricke. Das sei für branchenfremde Investoren nicht gerade verlockend.
Gedas-Verkauf: Volkswagen siebt Bieter aus
von Kristina Spiller
In einer ersten Auswahlrunde hat der Autokonzern Volkswagen drei Interessenten für seine IT-Dienstleistungstochter Gedas in die engere Wahl gezogen. VW verhandele mit der Telekom-Tochter T-Systems, dem IT-Konzern EDS und dem US-Dienstleister ACS weiter, hieß es am Sonntag aus Branchenkreisen. Dagegen seien die anderen Bieter IBM, zwei Finanzinvestoren - darunter Apax - sowie ein indischer Konzern mit ihren Offerten nicht mehr im Rennen.
Die Auswahl zeigt, dass VW einen Käufer mit strategischen Absichten favorisiert. "Bei den IT-Konzernen dürfte sich VW sicherer sein, dass sie das Geschäft langfristig weiterführen, als bei Finanzinvestoren", heißt es in den Kreisen zur Begründung. Mit Gedas gibt der Autokonzern immerhin einen großen Teil des Managements seiner eigenen IT-Systeme aus der Hand. Rund 500 Mio. Euro sollen die Interessenten für Gedas geboten haben. Volkswagen will sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren und dazu zählt die IT-Tochter für die Wolfsburger nicht mehr.