Waffenhersteller:Heckler & Koch geht Finanzprobleme an
Die Waffenschmiede will die Debatte um ihre finanzielle Stabilität endgültig beenden. Das Mittel der Wahl für Heckler & Koch: eine Großanleihe und ein Börsengang.
von Gerhard HegmannMünchen
Der Oberndorfer Waffenhersteller teilte am Montag mit, dass eine neue Hochzinsanleihe über 295 Mio. Euro mit 9,5 Prozent Verzinsung bis 2018 von internationalen, institutionellen Anlegern gezeichnet wurde. Mit dem neuen Kredit ersetzt der Unternehmer und Mehrheitsgesellschafter Andreas Heeschen geliehenes Geld mit neuem geliehenen Geld.
Heeschen kann nunmehr die Mitte Juli fällige 120-Mio.-Euro-Anleihe mit 9,25 Prozent Zinsen auf die Waffenfirma pünktlich zurückzahlen. Außerdem kauft die Firma einen 100-Millionen-Euro-Spezialkredit seiner privaten Dachgesellschaft HKB auf, der 2013 fällig wird. Ein Teil der neuen Hochzinsanleihe könnte bereits im nächsten Jahr wieder abgelöst werden. Wie ein Firmensprecher gestern auf FTD-Anfrage sagte, "wird auf Basis der jetzt gefundenen Finanzierungslösung im Sommer 2012 ein Börsengang in Frankfurt und London angestrebt".
Ein Mitglied einer Spezialeinheit der Polizei bei Schießübungen mit einer Maschinenpistole von Heckler & Koch
Mit der neuen Anleihe versucht der 50-jährige Unternehmer Heeschen, die schädliche Diskussionen über die finanzielle Stabilität des Lieferanten von Pistolen und Gewehren zu beenden. Ratingagenturen hatten der Heckler & Koch-Anleihe zuletzt Ramschstatus verliehen, weil sie Gefahren für die Rückzahlung sahen. Die neue Anleihe wird zunächst allerdings nur mit der drittschlechtesten Note "CCC+" bewertet.
Heeschen zahlt jetzt lieber die hohen Zinsen, um sowohl die Unternehmensanleihe als auch die Privat-Spezialanleihe abzulösen. Bei diesem Sonderkredit (PIK, Payment-in-Kind) werden die Zinsen von aktuell gut elf Prozent sowie die Tilgung sogar gestundet. 2010 scheiterten Hedge-Fonds mit einer Klage gegen Heeschen, dem sie vorwarfen, Firmengelder für den eigenen Lebensstil zu missbrauchen.
Wie es heißt, wurde die von der Citibank aufgelegte 295-Mio.-Euro-Anleihe überzeichnet. Zunächst sollte die Frankfurter Bank Close Brothers Seydler nur eine 100-Mio.-Euro-Anleihe platzieren - jetzt ist es das dreifache Volumen. Als Preis für die Großanleihe muss Heckler & Koch jährlich allein 27 Mio. Euro Zinsen für die Anleihe zahlen - rund die Hälfte des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, das der Waffenhersteller 2010 bei 247 Mio. Euro Umsatz machte.
Die nächsten Umstrukturierungen stehen schon an: Wie ein Sprecher sagte, könnte Heckler & Koch "bereits vor dem Börsengang einen Minderheitsgesellschafter aus der Finanzbranche aufnehmen". Damit würde die Verschuldung verkleinert. Ein strategischer Investor sei derzeit nicht in Sicht. Offensichtlich sind die Überlegungen Heeschens über einen Verkauf der Firma vom Tisch. Die Waffenfirma argumentiert, dass sie einen Technikvorsprung von mindestens fünf Jahren habe.
Top-100-Waffenbauer
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Schon länger erwägt die Dachfirma HKB die Aufnahme weiterer Gesellschafter: 2009 wurde ein Vorratsbeschluss für die Option eines Teilverkaufs von bis zu 55 Prozent gefasst. Jüngst hatte ein Firmensprecher noch von einem redaktionellen Fehler bei einer diesbezüglichen Bundesanzeiger-Veröffentlichung gesprochen. Die Geschäftsführung der Dachfirma HKB betont aber jetzt, "dass alle Angaben im Jahresabschluss 2009 korrekt sind".
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