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Regelungswut ist ein ernstes Problem deutscher Konzerne, weil sie Entscheidungen häufig kompliziert und langwierig macht. Zuletzt haben Korruptionsaffären die Situation weiter verschärft: Unternehmen erlassen immer neue Vorschriften aus Angst vor Strafverfolgung - und die Mitarbeiter halten sie penibel ein, um juristisch abgesichert zu sein. In der Folge lähmen sich Konzerne. So entgingen Daimler Fahrzeugverkäufe, weil Mitarbeiter vor ihrer Unterschrift Rücksprache mit der Compliance-Abteilung hielten. Bis sie fertig waren, hatten Rivalen den Auftrag erhalten.
Nun macht sich der Stuttgarter Konzern zum Vorreiter einer Bewegung, die den Trend umkehrt. "Manche Unternehmen fragen sich, ob sie nicht übers Ziele hinausgeschossen sind", sagte Carsten Thiel von Herff von der Kanzlei Streitbörger Speckmann. Er arbeitete bis 2009 in der neu gegründeten Compliance-Abteilung von
Siemens . Als Ex-Verfassungsrichterin Hohmann-Dennhardt vor einem Jahr bei Daimler begann, fand sie einen Richtliniendschungel vor. So gab es für die Fahrzeugnutzung einander überlappende Vorschriften. Vereinfachen ließ Hohmann-Dennhardt auch ein Sammelsurium an unterschiedlichen Richtlinien für die IT-Sicherheit. "Sicherheitsdenken führt dazu, alles in Regeln gießen zu wollen", sagte sie.
Künftig soll es bei dem Unternehmen weniger detailverliebte Vorschriften geben. Ziel ist ein Rahmen zur Orientierung, etwa für kleine Aufmerksamkeiten im Geschäftsleben. Eine Regel laufe fehl, wenn jemand moniere, dass ein Blumenstrauß 30,50 Euro kostet, obwohl die Richtlinie nur 30 Euro zulässt. "Bei Geschenken darf nicht der Eindruck entstehen, dass man etwas bewirken will außer einer Freundlichkeit", sagte Hohmann-Dennhardt.