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Merken   Drucken   17.11.2011, 14:22 Schriftgröße: AAA

Windenergie: Hochtief droht Investitionsfalle

Derzeit fehlt es an Kapazitäten zum Bau von Windrädern im Meer. Hochtief will das mit einer Flotte von Spezialschiffen ändern. Ein riskanter Plan.
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Derzeit fehlt es an Kapazitäten zum Bau von Windrädern im Meer. Hochtief will das mit einer Flotte von Spezialschiffen ändern. Ein riskanter Plan. von Michael Gassmann  Gdynia
Bilderserie Die Energiequellen der Zukunft
Ein paar mächtige Kielblöcke aus Beton, einige Dutzend Stahlständer - das reicht, um den mächtigen Rumpf der "Innovation" in der Schwebe zu halten. Im Trockendock der Crist-Werft im polnische Gdynia geht der Blick von unten auf die frisch eingebauten Schiffsschrauben - jede davon 3,40 Meter im Durchmesser und angetrieben von 4500 PS. Das ist beeindruckend, doch das Gefühl bleibt mulmig: Über dem Kopf des Besuchers schweben 12.000 Tonnen Stahl.
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Alles ist gewaltig an der "Innovation". Das muss es sein, denn der Pott soll ab Mitte kommenden Jahres Schwung in den Aufbau der deutschen Offshore-Windkraft bringen - und in das Geschäft von Hochtief. Der deutsche Baukonzern hat das Schiff gemeinsam mit der belgischen Deme-Gruppe für 200 Mio. Euro bei Crist in Auftrag gegeben. "Die Nachfrage nach Anlagen zur Montage und Wartung von Windanlagen im Meer ist ungebrochen groß", sagt Ulrich Reinke, Leiter des Segments Energie- und Infrastruktur bei Hochtief.
Wenn er sich da nur nicht täuscht. Mit seiner Warnung vor dem stockenden Ausbau der Kabelverbindungen der geplanten deutschen Hochsee-Windparks hat der Netzbetreiber Tennet am Mittwoch die Hochtief -Pläne infrage gestellt. Künftig will der Baukonzern jährlich eine halbe Milliarde Euro mit Projektentwicklung, Bau und Wartung von Offshore-Windparks machen, kündigt Reinke in Gdynia an.
Doch der fehlende Fortschritt beim Netzausbau macht nicht nur Tennet Sorge. Der Analyst Bernhard Jeggle von der Landesbank Baden-Württemberg diagnostiziert "ein Henne-Ei-Problem": Die Netzagentur wolle konkrete Projekte zur Genehmigung sehen, Investoren verlangten Rendite-Zusagen von der Behörde, während die Banken ihre Kreditzusagen von der Anschlussgenehmigung der Netzagentur abhängig machen. "Da blockiert einer den anderen", sagt Jeggle.
Bleibt es bei der Blockade, droht nicht nur Hochtief eine Investitionsfalle. Windstrom aus der Nord- und Ostsee ist ein Schlüsselelement bei den Energiewende-Plänen der Bundesregierung. Langfristig soll die Energie aus dem Meer jährlich 280 Terawattstunden ins deutsche Netz liefern. Das wäre mehr, als Biomasse, Wasserkraft und Photovoltaik zusammen. Die Baubranche verspricht sich davon glänzende Geschäfte. Insgesamt müssen in den nächsten Jahren 25 Mrd. bis 30 Mrd. Euro für Bauleistungen wie das Gießen der Fundamente oder das Aufstellen der Masten ausgegeben werden, so der Hauptverband der Bauindustrie. "Es hakt beim Aufbau der Netzinfrastruktur", musste Verbandsvize Heiko Stiepelmann jedoch erkennen.

Teil 2: Warum die Bau-Lobby bei ihren Prognosen bleibt

  • FTD.de, 17.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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