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Merken   Drucken   09.10.2005, 15:15 Schriftgröße: AAA

Zulieferer Delphi versetzt Autobranche in Aufruhr  

Der unter Milliardenverlusten leidende US-Autoteilehersteller Delphi hat mit 38 seiner US-Tochterfirmen bei einem New Yorker Gericht Insolvenz angemeldet. Das sorgt für Aufregung in der globalen Autoindustrie, da das Unternehmen die meisten Autohersteller beliefert.
Der US-Autokonzern General Motors bezieht einen Großteil seiner ...   Der US-Autokonzern General Motors bezieht einen Großteil seiner Bauteile von der ehemaligen Tochter Delphi
Die Auslandsoperationen seien von dem US-Insolvenzverfahren nicht betroffen, versicherte die Delphi Corporation (Troy/US-Staat Michigan). Delphi wolle seine Kunden in aller Welt weiter beliefern, betonte der nach Bosch zweitgrößte Autozulieferer der Welt.
Es handelt sich um eine der bisher größten amerikanischen Insolvenzen, die einer ganzen Serie von Pleiten mittelgroßer US-Autozulieferer folgt. In den USA beschäftigt Delphi  rund 50.000 Menschen, weltweit rund 185.000 Mitarbeiter in 167 eigenen Werken und 41 Joint-Venture-Betrieben.
Drastische Kürzungen
Das Unternehmen will seine US-Operationen umfassend umbauen und verkleinern. Zudem strebt Delphi drastische Kürzungen der Kosten für Löhne, Krankenversicherungen und Betriebsrenten an. Delphi wolle Anfang bis Mitte 2007 aus dem Verfahren im Rahmen des Kapitel Elf des US-Insolvenzrechts heraus kommen, kündigte Konzernchef Robert S. Miller am Samstag an. Ein solches Verfahren ermöglicht die Weiterführung der Geschäfte unter Aufsicht des Insolvenzgerichts.
Delphi will unter anderem den Stundenlohn von 26 bis 30 $ auf zehn bis zwölf $ verringern. Krankenversicherungs- und Betriebsrentenverpflichtungen in Milliardenhöhe will Delphi teilweise auf General Motors  abwälzen, die ehemalige Delphi-Muttergesellschaft. GM hatte Delphi 1999 verselbstständigt und damals bestimmte Verpflichtungen für seine ehemaligen Mitarbeiter übernommen. Delphi leidet auch unter den nordamerikanischen Produktionskürzungen von GM und Ford sowie hohen Stahl- und Rohstoffkosten.
Produktpalette ändern
Delphi wolle seine Produktpalette ändern und "erhebliche Segmente der US-Fertigungsoperationen verkaufen, konsolidieren oder stilllegen". Die Delphi-Auslandstöchter seien hingegen "allgemein wettbewerbsfähig und hätten starke Wachstumsmöglichkeiten". Delphi hatte den Insolvenzspezialisten Miller erst am 1. Juli angeheuert, um das Unternehmen zu sanieren.
Der Autozulieferer hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 28,6 Mrd. $ bei einem Verlust von 4,8 Mrd. $ (4 Mrd. Euro). Delphi liefert unter anderem Autoelektronik, Lenksysteme und Innenausstattungen. GM nimmt die Hälfte der Delphi-Produktion ab. GM wolle in dem Insolvenzverfahren "konstruktiv mit Delphi, seinen Gewerkschaften und anderen Beteiligten zusammenarbeiten", erklärte der Autokonzern. GM wolle Delphi als wichtigen Zulieferanten erhalten. GM verwies aber auch auf Kostensenkungsmöglichkeiten, da man bei Delphi in Nordamerika insgesamt 2 Mrd. $ mehr zahle als dies im globalen Markt der Fall wäre.
"Eine bittere Pille"
"Die UAW ist zutiefst enttäuscht", sagte Ron Gettelfinger, der Präsident der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft United Auto Workers (UAW). Die Delphi-Entscheidung sei "eine bittere Pille" für die 25.000 von der UAW vertretenen Delphi-Arbeiter sowie tausende anderer Bediensteter.
Die Delphi-Aktien notierten zuletzt nur noch mit 1,12 $ gegenüber einem Zwölfmonatshoch von 9,28 $. Die Aktionäre werden im Rahmen des Insolvenzverfahrens wahrscheinlich ganz leer ausgehen.
10:22:15 Kursinformationen und Charts
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  • dpa, 09.10.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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