Dossier
Pöbelnde Aufsichtsräte, ein entmachteter Vorstandschef und peinliche Fehler. Auf einer chaotischen Aufsichtsratssitzung greift sich Schaeffler endgültig die Macht bei Continental. FTD.de zeichnet das turbulente Treffen nach. von Kristina Spiller (Hamburg)
Das letzte bisschen Tageslicht ist längst verschwunden, als Karl-Thomas Neumann vor die Mikrofone tritt. Blass sieht er aus, abgekämpft, jetzt, eine halbe Stunde vor Mitternacht. Hinter ihm liegen 16 harte Stunden, eine Aufsichtsratssitzung, in der es um die Zukunft seines Unternehmens ging und um seine Ideen, wie diese aussehen könnte. Vor allem aber ging es um ihn: Karl-Thomas Neumann, den Vorstandschef des Autozulieferers Continental.
Ungewöhnliche, sehr enttäuschende Entwicklungen habe es während des Tages gegeben, liest er mit ruhiger Stimme von einem Zettel ab. "Diese machen es mir schwer", er stockt, "sehr schwer, auf Dauer vertrauensvoll mit unserem Großaktionär zusammenzuarbeiten." Das sind Abschiedsworte. "Es geht ein guter Mann von Bord", sagt wenige Minuten später auch der stellvertretende Aufsichtsratschef Werner Bischoff, ein Gewerkschafter, einer von Neumanns verbliebenen Getreuen.
Noch ist Neumann Konzernchef, doch nur mit einer Galgenfrist bis zum 12. August, bis der Aufsichtsrat abermals tagt - und ihn endgültig abservieren könnte. "Es zieht einem den Magen zusammen", sagt ein Mitglied des Aufsichtsrats. Ein anderer warnt: "Mindestens in den nächsten zwei Wochen herrscht hier Krieg."
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Bilderserie: Die Strippenzieher bei Conti und Schaeffler
Nach allem, was in den Stunden zuvor passiert war, dürfte er nicht untertreiben. Denn dieser lange Tag von Hannover war der Höhepunkt des nun einjährigen Übernahmekampfs zwischen Continental und Schaeffler, geprägt von Anfeindungen, Ränkespielen und falsch eingeschätzten Machtstrukturen. Und vor allem: Es ist das Comeback Schaefflers.
Dabei hatte es in den vergangenen Monaten so ausgesehen, als gehe Schaeffler als Verlierer aus der Auseinandersetzung hervor. Zwar besitzen die Herzogenauracher knapp 50 Prozent der Conti-Aktien, und noch einmal 40 Prozent liegen bei verschiedenen Banken bereit. Doch Finanzkreise kolportierten bereits das Aus für den Konzern, die Tage von Firmenchef Jürgen Geissinger schienen gezählt. Erdrückende Schulden von rund 12 Mrd. Euro drängten Schaeffler in die Defensive. Am Ende streute Conti-Chef Neumann sogar eigene Übernahmepläne.
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