Aufbruchstimmung im Süden: Phil Bredesen, Gouverneur von Tennessee (links) und Stefan Jacoby Chef von Volkswagen Amerika
Jerry Smith nimmt noch einen Schluck von seinem Eiswasser. Dann richtet er sich auf und hebt beide Arme in die Höhe, als stünde er noch auf seiner Kanzel. "Wir loben und preisen den Herrn, der uns Mercedes nach Alabama gebracht hat!", ruft er. "Mercedes ist ein Segen!"
Langsam lässt er die Arme wieder sinken und widmet sich dem Hähnchen auf seinem Teller. Gerade hat Smith die erste Messe hinter sich gebracht; am Nachmittag folgt schon der nächste Gottesdienst.
Es ist Mittagszeit in Pondville, einem verschlafenen Dorf im tiefsten Alabama. Die Sonne brennt vom Himmel, die Gemeinde trifft sich im einzigen Restaurant am Ort. Riesige Ventilatoren machen Wind.
Viele, denen es hier gut geht, arbeiten direkt oder indirekt für Mercedes, das Daimler-Werk ist eine halbe Autostunde entfernt. Doch heute ist Sonntag, da arbeitet niemand. "Einige haben ihren Job verloren", räumt Smith ein. "Aber Angst vor der Krise? Nein, die haben wir nicht. Wir vertrauen auf Jesus Christus."
Der Pastor verbreitet Zuversicht, und die Menschen glauben ihm. Hier, im "Bibel-Gürtel" Amerikas, wo der christliche Glaube den Alltag bestimmt, ist Smith ein mächtiger Mann. Hier hofft und betet man, statt zu bangen.
Während die traditionsreiche US-Autoindustrie in Detroit gerade zusammenbricht, rüstet sich der Südosten des Landes für den Durchbruch nach der Krise. Von Alabama bis South Carolina, von Georgia bis Tennessee stricken große und kleine Unternehmen aus aller Welt ein neues Netzwerk. Dort, wo das Einkommen niedrig ist und die Arbeitslosigkeit besonders hoch, träumen die Menschen von einer besseren Zukunft - und vom Aufstieg ihrer Region zum neuen Autoherzen Amerikas.