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Merken   Drucken   24.08.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Das Sommermärchen von der Opel-Rettung

Seit Monaten gaukelt die Bundesregierung ihren Bürgern vor, die Rettung des angesschlagenen Autobauers sei perfekt. Doch die Konzernmutter GM spielt auf Zeit. Denn Berlin hat sich ohne Not an den Zulieferer Magna gekettet - und sich aller Optionen beraubt. von Timo Pache (Berlin), Christian Höller (Wien) und Horst von Buttlar (Hamburg)
Es war einmal ein alter, kranker Autobauer, der von Politikern gerettet werden wollte. Nächte über Nächte grübelten sie über die Lösung, und sie hatten viele Milliarden, die sie für die Genesung bereit waren auszugeben. Denn der Autobauer war ohne eigenes Verschulden krank geworden und würde schon bald wieder stark und gesund sein.
So möchte man inzwischen eine Geschichte über Opel beginnen, denn längst scheint es keine Geschichte mehr, bei der es um Umsätze, Profite oder Strategien geht.
Es ist ein Märchen, das den Deutschen seit Monaten erzählt wird. Ein Sommermärchen, das nicht enden will - und immer mehr zum Schauermärchen wird. Die Rollen sind längst verteilt: General Motors  ist die böse Konzernstiefmutter. Der Investor RHJ International (RHJI) der schwarze Ritter - und Magna  samt russischem Gefolge der Prinz, der Opel nur noch wachküssen und befreien muss.
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Da es aber in der Wirtschaft keine Märchen gibt und es eben doch um Umsätze, Profite und Strategien geht, zieht sich die Rettung von Opel schier endlos in die Länge. GM zaudert, zögert, taktiert. RHJI lockt, feilt, bessert nach. Magna triumphiert still, allerdings vorschnell. Und die Bundesregierung strampelt - ohne von der Stelle zu kommen.
Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier   Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier
An diesem Wochenende hätte in den USA - endlich! - die Entscheidung fallen sollen. Und es hätte alles so gut gepasst. Am Tag der offenen Tür in Berlin, inmitten Hunderter begeisterter Bürger, hätte sich Angela Merkel in ihrem Amtssitz feiern lassen können. Ebenso Frank-Walter Steinmeier , der die Bürger am Sonntag in seinem Ministerium begrüßte.
Seht her, hätten Kanzlerin und ihr SPD-Herausforderer sagen können, wir haben es mal wieder geschafft, haben uns gekümmert. Und die vielen Tausend Opelaner in Rüsselsheim, Bochum und Eisenach hätten vor den Fernsehern gesessen und gejubelt - ihre Rettung, nach bangen Monaten des Wartens! Was für schöne Bilder vor der Wahl.
Wäre, hätte, könnte. Nichts ist passiert. Die GM-Bosse haben sich wieder einmal nicht entschieden, haben alle Bitten und unverhohlenen Drohungen ignoriert. Und die deutsche Regierung, die die Sektflaschen bereits halb entkorkt hatte, vorgeführt.

Teil 2: Die Lage ist heillos verfahren

  • Aus der FTD vom 24.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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