UAW-Chef Ron Gettelfinger (vorn Mitte) und seine Kollegen
Vielleicht erinnert sich der Gewerkschaftsfunktionär in diesen Tagen an jene Episode und die Lektion, dass sich Härte nicht immer auszahlt. Am Freitag haben die wichtigsten Tarifverhandlungen in der Geschichte der angeschlagenen US-Branche begonnen.
General Motors (GM),
Ford und
Chrysler müssen die Arbeitskosten drastisch senken, um ihr Überleben zu sichern. Der neue Rahmenvertrag, der 180.000 Mitarbeiter der "Big Three" betrifft, spielt dabei eine entscheidende Rolle. "Wir stehen an einem Scheideweg", sagt der frühere Chrysler-Manager Dennis Pawley. "Das Ergebnis wird diese Branchen retten - oder sie zerstören."
Kampf ums Überleben
Verweigert der Gewerkschaftsführer Zugeständnisse, wird man ihn für den Niedergang einer Branche verantwortlich machen, die wie keine andere die industrielle Kraft der USA symbolisiert. Geht er jedoch zu weit mit Kompromissen, droht seiner Gewerkschaft der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Denn mit den Marktanteilen der US-Hersteller schmilzt die Basis der UAW dahin. Gerade noch eine halbe Million Autobauer sind in der Gewerkschaft organisiert. In zwei Jahrzehnten hat sie die Hälfte ihrer Mitglieder eingebüßt.
Gettelfinger steckt in einem Dilemma. Und so gab er sich am Freitag zum Auftakt der Verhandlungen in der Chrysler-Zentrale zugleich entschlossen und kompromissbereit, indem er verkündete: "Wir haben bei den Verhandlungen die Interessen unserer aktiven und im Ruhestand befindlichen Mitglieder im Auge."
Wie schlecht es den Verhandlungspartnern geht, ist kaum zu übersehen: General Motors verkaufte im Juni nur noch 321.000 Autos - ein Viertel weniger als im Vorjahresmonat. Ford und Chrysler meldeten ebenfalls Einbußen. 2006 machte Ford einen Verlust von 12,7 Mrd. $, auch GM und Chrysler schreiben tiefrote Zahlen. Zu Tausenden laufen Kunden zu ausländischen Konkurrenten wie
Toyota ,
Honda oder
Nissan über, die sparsamere und attraktivere Autos anbieten. Zuletzt kamen die amerikanischen Hersteller auf ihrem Heimatmarkt gerade noch auf einen Anteil von 51,3 Prozent.