Wir können was! Ja, das sollte eigentlich jetzt Tenor sein bei Daimler. Konzernchef Dieter Zetsche hat das Unternehmen seit seinem Amtsantritt 2006 verschlankt, schlagkräftiger gemacht. Er hat die Probleme bewältigt, die ihm sein Vorgänger Jürgen Schrempp mit der "Welt AG" hinterlassen hat: Qualität und Ergebnis von Mercedes sind aufpoliert, der Anteil am kränkelnden US-Hersteller Chrysler ist fast verkauft, die Beteiligung an Mitsubishi ganz. Selbst die Dauersorgenmarke Smart schreibt Gewinne. Und doch ist die Stimmung in der Konzernspitze am Boden: Konsumflaute, Finanzkrise und das neu erwachte Umweltbewusstsein bei Verbrauchern und Politikern verderben Zetsche die Feierlaune.
Am Donnerstag musste Zetsche schon wieder eine Gewinnwarnung verkünden, die zweite innerhalb weniger Monate. 7,7 Mrd. Euro wollten die Stuttgarter ursprünglich im laufenden Geschäftsjahr erwirtschaften, nun sind es nur noch 6 Mrd. Euro. Im dritten Quartal ist der Profit gegenüber dem Vorjahr um zwei Drittel eingebrochen. Und dann der Aktienkurs: Er liegt fast 80 Prozent tiefer als zu den besten Zeiten des aus dem Amt geprügelten Schrempp. Rund 80 Mrd. Euro Börsenwert wurden seither vernichtet. Groß ist die Sorge, Daimler könne nun geschluckt werden.
"Zetsche hat eine enorme Restrukturierung durchgezogen", lobt Credit-Suisse-Analyst Arndt Ellinghorst. Doch jetzt werde das Unternehmen "mit voller Wucht von der wirtschaftlichen Abkühlung getroffen". Absatzeinbrüche in den USA und längst auch in Westeuropa machen der Autobranche schwer zu schaffen. Zugleich geht der jahrelange Boom in Europas Lkw-Markt zu Ende - und die Talfahrt in Amerika unaufhaltsam weiter. Weltmarktführer Mercedes muss die Lkw-Produktion zurückfahren, schließt Werke in den USA, gibt die Marke Sterling auf. "Die Risiken sind momentan höher als die Chancen", sagt Robert Heberger, Analyst bei Merck Finck.