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Merken   Drucken   30.03.2009, 20:28 Schriftgröße: AAA

Agenda: Fahrerwechsel in Detroit

Dossier Nach Wochen des Zauderns greift Barack Obama durch: General Motors und Chrysler bekommen eine Gnadenfrist, GM-Chef Rick Wagoner muss gehen. Für den US-Präsidenten ist es ein Befreiungsschlag - für Amerika eine Zäsur. von Matthias Ruch (New York) und Sabine Muscat (Washington)
Es ist der Morgen nach dem großen Paukenschlag, um 11.07 Uhr spricht der Präsident zu seinem Volk. Wie immer sagt Barack Obama  nicht zuerst, was er tun will, sondern warum er es tut. Er spricht über die große US-Autoindustrie, über den Niedergang, die Probleme. "Wir sind am Ende der Straße", sagt er.
Der Schmerz aber, den nun alle spürten, sei "nicht die Schuld der Arbeiter, die unermüdlich schuften. Es ist nicht die Schuld der Familien und Gemeinden, die über Generationen die Fabriken unterstützt haben. Es ist ein Versagen der Führung - von Washington bis Detroit." Obama wirkt ruhig und entschieden, während er abrechnet. "Wir können, dürfen und werden unsere Autoindustrie nicht verschwinden lassen", sagt er.
Doch er stellt Bedingungen: "Was wir verlangen, ist schwierig. Die Unternehmen müssen harte Entscheidungen treffen."
US-Präsident Obama (r.), Finanzminister Geithner (M.) und ...   US-Präsident Obama (r.), Finanzminister Geithner (M.) und Verkehrsminister LaHood
Es ist ein Morgen, der als Wegmarke und politische Zäsur gesehen wird: Denn hart ist in diesen Stunden vor allem die US-Regierung gegenüber den Unternehmen. Sie stellt den Autobauern ein Ultimatum für ein neues Sanierungskonzept mit rigorosen Sparzielen: 60 Tage bleiben General Motors (GM) , 30 Tage Chrysler. Chrysler soll unter das Dach von Fiat . GM-Chef Rick Wagoner muss sofort gehen - sonst droht die Insolvenz. Das "Wall Street Journal" spricht von der "dramatischsten Intervention in der Privatwirtschaft seit Beginn der Krise im vergangenen Jahr". Einen so tiefen staatlichen Eingriff habe es wahrscheinlich seit der Großen Depression nicht mehr gegeben, schreibt sogar die "New York Times".
Der Abgang von Wagoner war zwar eine Frage der Zeit - für Obama aber ist er ein Befreiungsschlag. Seit Wochen wird ihm mangelnde Führung vorgeworfen. Ein Hasenherz sei er, schimpften nicht nur linke Ökonomen wie Paul Krugman, dem das Konjunkturprogramm nicht groß genug ist. Nun greift Obama durch. Und zwar richtig. Wer hätte sich vor Jahren erträumt, dass das Weiße Haus einmal CEOs absetzen würde?
Bereits seit Dezember hatten GM und Chrysler Kredite über insgesamt 17,4 Mrd. $ von der Regierung erhalten. Dieses Geld ist nun aufgebraucht. GM benötigt weitere 16,6 Mrd. $, um durch das Jahr zu kommen, Chrysler 5 Mrd. $. Diese Zahlungen knüpft Obama nun an weitreichende Forderungen - denn die Milliardenhilfen sind unpopulär. Man wolle die Autobauer nicht untergehen lassen, werde jedoch nicht endlos Steuergelder in den Sektor pumpen, verkündete Obama: "Um es klar zu sagen: Die US-Regierung hat kein Interesse, GM zu führen."

Teil 2: Alle Beteiligten sollen Opfer bringen

  • Aus der FTD vom 31.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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