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Merken   Drucken   23.06.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Fords langsamer Abstieg

Dossier Als letzter großer Autobauer in den USA kommt Ford noch ohne Staatshilfe aus. Doch obwohl Konzernchef Alan Mulally frühzeitig Ballast abgeworfen hat, drohen die Probleme seine Firma nun zu erdrücken: Es fehlt an Geld, Nachfrage und soliden Zulieferern. von Matthias Ruch und Astrid Dörner (New York)
Der neue Verkäufer macht sich gar nicht schlecht. Im Autohaus Galpin in North Hills, Kalifornien, kämpft Alan um jeden Kunden. Er erklärt Details, lockt mit ein paar Extras. Doch der Interessent zögert noch. "Meine Erfahrungen mit dem letzten Ford waren nicht so gut", klagt er. "Wenn Sie mir diesen Wagen verkaufen wollen, müssen Sie erst meine Frau überzeugen."
Alan greift zum Telefon. "Hallo Victoria", meldet er sich freundlich, "hier ist Alan Mulally, der Präsident und CEO von Ford." Victoria ist ungläubig, doch dann nutzt sie die Gelegenheit, um ihrem Ärger Luft zu machen. Über die miese Qualität und den schlechten Service von Ford . Alan Mulally  hört zu. Und handelt. "Ich gebe Ihnen eine schriftliche Garantie: Wenn Sie irgendwelche Probleme mit dem neuen Wagen haben sollten, werde ich mich persönlich darum kümmern." Fünf Minuten später ist der Kaufvertrag unterschrieben.
Ford-Chef Alan Mulally   Ford-Chef Alan Mulally
Die Geschichte seines Praktikums erzählt der Ford-Chef immer wieder gern. Sie zeigt, was sein Konzern so dringend braucht: das Vertrauen der Kunden. Seit seinem Amtsantritt 2006 versucht Mulally unermüdlich, das Zutrauen der Amerikaner zurückzugewinnen. Er verpasste dem Konzern eine strikte Kostendisziplin, besorgte sich rechtzeitig einen Kredit und verkaufte die Luxustöchter, bevor die Autoindustrie im vergangenen Jahr in den Abgrund stürzte.
Eigentlich müsste Ford gut dastehen. Die Erzrivalen General Motors  und Chrysler haben inzwischen Insolvenz angemeldet. "Wir haben bisher keine Staatshilfen gebraucht, und wir werden auch weiter ohne das Geld vom Steuerzahler auskommen", sagt Mulally tapfer. Doch auch Ford steht auf der Kippe: Trotz aller Bemühungen macht der Autobauer immer noch Milliardenverluste. Das Schicksal von Ford liegt nun nicht mehr in Mulallys Hand. Es hängt von der Konjunktur ab, von der Regierung - und ausgerechnet von General Motors.
Bereits im Dezember hatte Mulally die prekäre Situation erkannt: "Ford erwartet für 2009 keine Liquiditätskrise, sofern keiner der amerikanischen Wettbewerber Insolvenz anmelden muss oder das ökonomische Umfeld sich weiter verschlechtert", schrieb er in seiner Vorlage für die Regierung in Washington. Doch nun ist eingetreten, was nicht passieren durfte: Beide Rivalen sind insolvent. Und der wirtschaftliche Niedergang hält an.

Teil 2: "Ford ist zurück!"

  • Aus der FTD vom 23.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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