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29.10.2009, 09:07
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Koenigseggs Traum vom Saab
Christian von Koenigsegg, ein Tüftler aus der schwedischen Provinz, will Saab übernehmen. Bisher baut er 18 Sportwagen im Jahr. Nun will er 100.000 herstellen. Man könnte das ehrgeizig nennen. Oder wahnsinnig. Ein Hausbesuch.
von Elmar Jung, Ängelholme
Ein kleines Zimmer mit Linoleumboden und Ikea-Jalousien. Das Bücherregal könnte das Modell Billy sein, und der Computer hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Die Leuchtstoffröhren tauchen den Raum in ein kaltes Licht. Acht, neun Quadratmeter, mehr Platz gibt es nicht.
Das also soll künftig ein neues Machtzentrum des schwedischen Automobilbaus werden. Es ist das Büro von Christian von Koenigsegg. Der liebt zwar teure, schnelle Autos, der Raum aber ist mehr als schlicht.
Ohnehin ist der 37-jährige Chef der Supersportwagenschmiede Koenigsegg viel lieber in der Werkhalle, gleich hinter dem Büro, bei seinen Leuten und Autos. Dort herrscht Hochbetrieb, und obwohl alle arbeiten, geht es erstaunlich ruhig zu. Nur aus einer Ecke ist Musik der Rolling Stones zu hören. Ein Mechaniker nickt rhythmisch mit dem Kopf, während er liebevoll ein Heckteil der Karosserie schleift. Ein paar Stationen weiter bekommt das Interieur den bestellten Lederbezug aufgenäht.
Der Chef betritt in einem rot-blauen Polohemd und beigen Hosen die Halle. Den Kopf rasiert, freundlich lächelnd. Er geht zu den Mechanikern. "Alles in Ordnung, Jungs?", fragt er und lässt seine Hand über die offen stehende Flügeltür eines Sportwagens gleiten. Christian von Koenigsegg will sich persönlich vom Wohlbefinden seiner "Babys" überzeugen, will mitverfolgen, wie die 800 PS starken und bis zu 1,3 Mio. Euro teuren Kohlefaser-Boliden in mühevoller Handarbeit zusammengesetzt werden.
Im Alter von 22 Jahren startet der Schwede Christian von Koenigsegg 1994 das "Koenigsegg-Projekt"
Trotzdem ist er immer seltener bei seinen Monteuren zu sehen. Denn von Koenigsegg, Leiter eines mit 40 Angestellten winzigen Unternehmens, hat Großes vor. Er will eine schwedische Industrie-Ikone übernehmen und retten: Saab, die marode Tochter des nicht minder maroden US-Konzerns General Motors. Koenigsegg will diese Mammutaufgabe gemeinsam mit dem US-Industriellen Augie Fabela und dem norwegischen Industriedesigner Bard Eker stemmen. Man könnte das großartig nennen. Oder auch wahnsinnig. Es ist ein Coup, halb Jungen-, halb Geniestreich. "Der Druck ist hoch", sagt Halldora von Koenigsegg. Seit ihr Mann die Saab-Übernahme plant, ist er im Dauerstress. Deswegen führt auch sie viele Gespräche.
Halldora von Koenigsegg sitzt im Vorstand der Koenigsegg Group
Die zierliche Frau mit der strengen Frisur, den großen Perlenohrringen und dem rosa Jäckchen hilft, wo sie kann, indem sie die Visionen ihres Mannes verkauft. Dabei ist die 33-Jährige mehr als nur die Frau, die ihrem Mann den Rücken stärkt. Die Koenigseggs sind Ehepaar und Geschäftspartner zugleich. Halldora sitzt im Vorstand der für die Saab-Übernahme gegründeten Koenigsegg Group. Sie kennt ihren Mann seit 18 Jahren, verheiratet sind sie seit neun. Gemeinsam wollen sie Saab in eine bessere Zukunft führen. Und die soll im Mutterland Schweden liegen, nicht in den USA.
Teil 2: Produktion im Nirgendwo
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Aus der FTD vom 29.10.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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