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05.11.2009, 09:19
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Opel, das schizophrene Unternehmen
Seit Monaten häufen sich die Probleme bei der europäischen GM-Tochter. Der Autobauer steht schlechter da als vor einem Jahr. Der Irrsinn: Opel erntet seit Monaten Lob und sogar Preise in der Fachwelt und profitiert massiv von der Abwrackprämie.
von Margret Hucko, Hamburg
und Jörn Petring, Rüsselsheim
Die rote Schirmmütze mit der IG-Metall-Aufschrift hat Hassan schon lange nicht mehr aufgesetzt. Der Kampf schien beendet: Opel würde vom Autozulieferer Magna geschluckt und mit Staatsmilliarden gepäppelt. Keine ideale Lösung, aber immerhin. Am Mittwochmorgen hat Hassan die rote Kappe wieder auf dem Kopf. "Das hier ist ein Zeichen", sagt der Opelaner, als er das Tor 60 am Werk in Rüsselsheim zum Start seiner Schicht durchquert. Der Himmel ist so düster wie seine Stimmung. "Wir sind sehr enttäuscht", sagt sein Kollege Harald, der seit 25 Jahren bei Opel arbeitet. "Wir verstehen die Welt nicht mehr. Ein Jahr Verhandlungen - für nichts."
Bilderserie
Opel im Kino und bei Bayern München
Am Morgen nach der Entscheidung von General Motors (GM), die Tochter Opel nun doch nicht zu verkaufen, sondern selbst zu sanieren, sind nicht nur die Beschäftigten perplex. Ein Jahr lang verhandelte der angeschlagene US-Konzern mit Investoren, rang Regierungen Staatsbeihilfen ab, diskutierte wochenlang, monatelang die verschiedenen Optionen - und gab schließlich dem Konsortium um den austro-kanadischen Automobilzulieferer Magna den Zuschlag. Keine sechs Wochen später kassiert er die Entscheidung. Und Opel steht an derselben Stelle wie vor einem Jahr. Ohne sichere Finanzierung. Ohne Sanierungskonzept. Mit ungewisser Zukunft.
Für
Klaus Franz ist die Entscheidung des GM-Boards vom Dienstagabend ein Desaster. "GM leidet unter einem derartigen Realitätsverlust", schimpft der Gesamtbetriebsratschef von Opel. "Es ist erschreckend, was man einer Marke und seinen Mitarbeitern antun kann." Europaweit machen von Donnerstag an 55.000 Opel-Mitarbeiter mobil. Die deutschen Betriebsräte und Gewerkschaften haben die 25.000 Beschäftigten in den heimischen Werken zu Warnstreiks an allen vier Standorten aufgerufen. Auf dem Rüsselsheimer Bahnhofsplatz soll am Donnerstag eine Protestaktion stattfinden. Hessens Ministerpräsident
Roland Koch wird reden.
Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es jetzt her, dass die Zitterpartie für die Opel-Arbeitnehmer begann. Im November droht General Motors die Zahlungsunfähigkeit. Um dem Abwärtsstrudel zu entkommen, bittet die Opel-Führung in einem Schreiben vom 10. November 2008 um staatliche Hilfe. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll sich für ein 40 Mrd. Euro schweres Kreditprogramm der Europäischen Investitionsbank starkmachen. Signiert mit freundlichen Grüßen von Carl-Peter Forster, Aufsichtsrat, Geschäftsführer Hans Demant und dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Franz.
Eine Trennung von General Motors, dem mächtigen Mutterkonzern. Was jahrzehntelang unmöglich schien, wird plötzlich zur Option. GM lässt sich zwar das Hintertürchen offen, die Europatochter vielleicht doch noch zu behalten, doch für Öffentlichkeit, Belegschaft und Politik ist ein Eignerwechsel ausgemachte Sache.
Eine erfreuliche Perspektive, scheint es doch nun möglich, selbstbestimmter und ohne die Zwänge der Weltzentrale im fernen Detroit arbeiten zu können. Ist Opel nicht stets der Ideengeber und Technologietreiber im Konzern gewesen?
Teil 2: Düstere Perspektive
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Aus der FTD vom 05.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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