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Merken   Drucken   16.04.2009, 18:36 Schriftgröße: AAA

Agenda: Porsche neben der Spur

Dossier Die Übernahme des VW-Konzerns schien für Porsche nur eine Frage der Zeit. Jetzt gerät der Masterplan ins Stocken. Vorstandschef Wiedeking muss neu rechnen - und sich mit alten Rivalen arrangieren, die schon wie die Verlierer aussahen. von Kristina Spiller, Sven Clausen (Hamburg) und Heimo Fischer (Stuttgart)
Es ist weit nach Mitternacht, als Holger Härter aufbricht. Beim Dinner im Restaurant Vieux Bois, nahe dem Botanischen Garten von Genf, hat Porsches Finanzchef den diesjährigen Autosalon ausklingen lassen. Nun steigt er in seinen Wagen. Fast 600 Kilometer nach München liegen vor ihm. Sein Chauffeur tritt aufs Gas. Mittlerweile könne er überall schlafen, sagt Härter. Er wird das jetzt brauchen. In sechs Stunden muss er fit sein. Vor ihm liegen an diesem 4. März brisante Termine. Härter will Banker überzeugen, Porsches milliardenhohe Kreditlinie zu verlängern. Ohne das Geld droht Porsches großer Coup zu scheitern, sich 75 Prozent an Volkswagen zu sichern - und damit den vollen Zugriff auf den Autokonzern.
Wie viel ruhiger genießt da VW -Chefaufseher Ferdinand Piëch den Auftritt des Konzerns am Vorabend der Genfer Autoshow. Entspannt lauscht der Firmenpatriarch bei der Vorstellung des neuen Polo der Rockröhre Pink. Breit grinsend schäkert der sonst so Zurückhaltende mit seiner Frau Ursula. Piëch hat einen Plan für die Zukunft des neuen Großkonzerns VW-Porsche. Und der geht langsam auf.
Dabei sah es lange so aus, als würden Porsche-Chef Wendelin Wiedeking  und Härter Volkswagen mit ihrem Schlachtplan überrennen. In imperialer Rhetorik verkündete Wiedeking den VW-Leuten, es gelte "heilige Kühe" zu schlachten. Mit Optionsgeschäften hatte er sich eine günstige Aufstockung der VW-Anteile gesichert, alles sah so leicht aus - wie ein Perpetuum mobile, das die Zuffenhausener bis zur Machtübernahme in Wolfsburg tragen würde.
Es war einmal. Der Masterplan ist hinfällig. Glaubte der kleine Sportwagenbauer zuerst noch, den großen VW-Konzern dominieren zu können, müssen sich die Stuttgarter nun ins Konzerngefüge einpassen. Die Machtbalance beginnt, sich zu verschieben. Beide Hersteller sind von der Absatzkrise hart getroffen. Porsche muss um die Finanzierung des VW-Deals ringen - und vor allem: Das VW-Gesetz fällt nicht wie erhofft.
Nun hängt es von Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff  (CDU), Piëch und seinem Vorstandschef Martin Winterkorn ab, ob das Husarenstück, der Deal des Jahrzehnts, der Zusammenschluss zum mächtigsten Autokonzern der Welt gelingt. Inzwischen treffen sich die Spitzen von VW und Porsche regelmäßig, etwa an Piëchs Salzburger Wohnsitz, um gemeinsam den neuen Großkonzern zu planen. Zwar hält Porsche schon 50,8 Prozent an VW. Doch den Zuffenhausenern ist klar geworden: Im Alleingang gelingt der Coup nicht.
"Die kamen hier an wie die Eroberer", sagt ein VW-Manager. "Sie haben geglaubt, sie könnten gleich Einblick in unsere Technologien bekommen, aber so einfach geht es nicht." Die stolzen Wolfsburger blockten Porsche ab. VWs Betriebsrat zog gar vor Gericht, um sich Einfluss in der Porsche Holding zu sichern, unter der die VW-Beteiligung hängt. "Die Komplexität eines solchen Konzerns darf man nicht unterschätzen", sagt Olaf Marx, Geschäftsführer der Beratung MCGM. Ein Lehrstück für Porsche . "Das wird eine riesige Herausforderung. Wir müssen lernen, wie so ein Konzern funktioniert", räumt ein Topmanager nun ein. "Wir müssen uns da einfuchsen. Aber wir werden das schon schaffen."

Teil 2: "Hochkomplexe Rechtslage" - und politische Gründe

  • Aus der FTD vom 17.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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