Wie gewonnen, so zeronnen - Deutschlands Autobauer können die Krise mit ihren Arbeitszeitmodellen nicht mehr meistern
Mit Gleitzeit lässt sich das nicht mehr regeln. Das seit Jahren propagierte Flexibilisierungsmodell hat seine Grenzen erreicht. Die Folgen könnten dramatisch sein. Schon sagen Experten Werksschließungen und Entlassungen voraus. "Wir werden bei vielen sehr bald Kurzarbeit sehen", prophezeit ein Unternehmensberater. "Wenn sich im ersten Quartal 2009 keine Trendwende beim Absatz zeigt, wird es im zweiten Quartal zu Werksschließungen und massiven Entlassungen kommen."
Fast kein Tag mehr ohne Schreckensmeldung aus der Autobranche: BMW wird in diesem Jahr 65.000 Autos weniger herstellen als vorgesehen, Daimler etwa 90.000 Fahrzeuge. Für 2009 erwarten die Autobauer auf dem Heimatmarkt den schwächsten Absatz seit der Wiedervereinigung - was Zehntausende Jobs gefährdet. Gerade musste BMW verkünden, dass neben den geplanten 8100 festen Jobs auch 400 Zeitarbeitsplätze im Werk Leipzig wegfallen.
Die Krise hat längst auf die Zulieferer übergegriffen. Mit flexibler Arbeitszeit lässt sich der Einbruch nicht mehr abfedern. Der Wälzlagerhersteller Schaeffler will Schichten ausfallen lassen und die Zahl der Zeitarbeiter reduzieren. Der jüngst übernommene Zulieferer
Continental hat bereits für einige Standorte Kurzarbeit angekündigt - ebenso wie der Elektronikkonzern
Bosch für sein Bamberger Werk.
Einigen Zulieferern droht sogar die Pleite. Gerade hat der Leverkusener Bremsenhersteller TMD Friction mit rund 2000 Beschäftigten in Deutschland Insolvenz angemeldet. BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner forderte unlängst für solche Kandidaten einen staatlichen Rettungsschirm: "In einer so schwierigen Krisensituation muss der Staat einspringen."
* Name von der Redaktion geändert